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Byzantinistik

Bindeglied zwischen den Kulturen

Christus Pantokrator und Tierkreiszeichen, byzantinische Fresken aus dem 17. Jh., Kloster Dekoulou.
Christus Pantokrator und Tierkreiszeichen, byzantinische Fresken aus dem 17. Jh., Kloster Dekoulou.(c) imago images/imagebroker (imageBROKER/Karl F. Sch�fmann via www.imago-images.de)
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Wanderungsbewegungen bestimmten die Geschichte des Byzantinischen Reiches. Die Historikerin Claudia Rapp leitete ein sechsjähriges Projekt zu dessen Vielfalt und Dynamik.

Als alternatives christliches mittelalterliches Reich am Rande unserer Geschichtsbetrachtung? Oder als Bindeglied zwischen der mediterranen und der muslimischen Welt mit Verbindungen bis hinein nach Asien, dem das Forschungsinteresse (West-)Europas verpflichtet sein muss? Claudia Rapp von der Universität Wien und der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) legt den Fokus ihrer Arbeiten zum Byzantinischen Reich eindeutig auf zweitere Zuschreibung. Das „alte Byzanz“ habe sehr wohl für ganz Europa Bedeutung, und manche Abläufe wie etwa die Wanderungsbewegungen in diesem Reich würden sich heute auch in veränderter Weise ereignen, betont sie.

Byzanz als globales Phänomen

Ende November hat die Byzantinistin mit einer größtenteils online abgehaltenen Konferenz ihr mehrjähriges Forschungsprojekt „Moving Byzantinum Mobility, Microstructures and Personal Agency“ abgeschlossen. 2015 hat Rapp den mit 1,5 Millionen Euro dotierten Wittgenstein-Preis für ihre Byzanz-Forschung erhalten. Mit ihrem Team analysierte sie nun weitere historische Quellen und gewann einen neuen Zugang zu den Fragen der Mikrostrukturen, des kulturellen Austausches und der Mobilität im Byzantinischen Reich. „Dieser Zugang weitet den Blick“, sagt die Forscherin. „Anstatt die byzantinische Gesellschaft als historische Konstante in einer isolierten Innensicht zu beschreiben, ermöglicht uns dieser Blick, die Entwicklungen innerhalb der byzantinischen Gesellschaft in einer größeren Vielfalt und Dynamik wahrzunehmen.“

Das Projekt beleuchtet die Bedeutung von Byzanz als globale Kultur und analysiert die innere Flexibilität der byzantinischen Gesellschaft. In der letzten Etappe der historischen Recherchen ging es um die Wanderungsbewegungen innerhalb des Reiches, wobei Rapp von einer kleinteiligen Mobilität und einer sozialen Mobilität spricht. Einerseits zieht Byzanz als Metropole Verwaltungsbeamte, Soldaten und über seine Bildungseinrichtungen Angehörige höherer Berufe an, andererseits entsteht durch kriegerische Handlungen ein Migrationsdruck innerhalb des Reiches.

Einer der Mitarbeiter des Forschungsteams, Yannis Stouraitis, erstellte dazu eine entsprechende Klassifikation, in der einen großen Teil die sogenannte Zwangsmigration einnimmt. Das waren erzwungene Umsiedlungen, die durch die byzantinischen Kaiser veranlasst wurden. Aus den historischen Berichten geht hervor, dass die Bevölkerung ganzer Landstriche von einer Region in eine andere transferiert wurde. Claudia Rapp führt dies auf die Folge von Kriegsgeschehen zurück. Entvölkerte Landstriche sollten wieder belebt werden, um demografisch mehr Steuerzahler und wehrdienstpflichtige Menschen für die Landesverteidigung zu gewinnen.