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Doc.funds.connect

Vereinte Hochschulforschung

Mit den gemeinsamen Doktoratsprogrammen von FH und Unis entstehen Kooperationen zur angewandten Grundlagenforschung. Fünf davon gibt es in Österreich.

Seit 2019 bieten die Universität Salzburg und die Fachhochschule Salzburg den Joint-Masterstudiengang Human-Computer Interaction an. Die bereits stattfindenden Forschungsaktivitäten werden in den kommenden vier Jahren verstärkt, und zwar im Rahmen des FWF-Programms „doc.funds.connect“. Es soll generell die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen forcieren, die Forschungskompetenz der Fachhochschulen stärken und Doktoranden zusätzliche Möglichkeiten in der Karriereentwicklung bieten. Derzeit laufen fünf Kooperationen unter dem Dach von doc.funds.connect:

 

• Mensch:Maschine in Salzburg

Das neue Doktoratsprogramm „doc.hci – Designing Meaningful Human-Technology Relations“ der Salzburger Hochschulen fokussiert auf das Verständnis und die Gestaltung der Beziehung zwischen Menschen und digitaler Technologie. Doktoranden werden sich mit der Nutzung von Technologien auseinandersetzen, sie neu interpretieren und gestalten: „Sie werden in den Anwendungsfällen Mobilität, Gesundheit, Bildung, Arbeit und Spiel untersuchen, wie Menschen und Maschinen miteinander in Beziehung stehen, was es dabei bedeutet, eine (künstliche) Intelligenz zu sein beziehungsweise zu haben und wie diese Interaktionen und Integrationen zukünftig aussehen können“, erklärt Hilmar Linder, Leiter des Masterstudiengangs an der FH Salzburg.

 

• OÖ: Plattform für KI

Auch die Fachhochschule Oberösterreich und die Universität Linz kommen in den Genuss des neuen Förderprogramms. Forschungsgegenstand dieser Hochschulkooperation ist ebenfalls die künstliche Intelligenz: „Human-Centered Artificial Intelligence entwickelt Methoden, um künstliche Intelligenz einerseits für Menschen verständlicher, transparenter und fairer zu machen und andererseits die Interaktion zwischen Menschen und KI-Systemen zu unterstützen“, erklärt Ulrich Bodenhofer, Professor für Artificial Intelligence am FH-Standort Hagenberg. Die Zusammenarbeit habe eine lange Tradition, die Geschichte des Standorts Hagenberg sei untrennbar mit der Universität Linz verbunden, sagt Bodenhofer.

 

•Neue Therapien in Wien

Für das Doktoratsprogramm „MatureTissue“ arbeiten die Forschungsteams der FH Technikum Wien und der TU Wien zusammen. In den nächsten vier Jahren erforschen sie die Ursachen muskuloskelettaler Erkrankungen, um neue Therapieansätze zu entwickeln: „Wir wollen mit den Methoden des Tissue Engineering funktionelle Muskel-, Knorpel- und Knochengewebe züchten“, erklärt Andreas Teuschl-Woller, der das Doktoratsprogramm koordiniert und an der Fachhochschule den Master-Studiengang Tissue Engineering and Regenerative Medicine leitet. Die bisherige Kooperation hätte mehr Netzwerk-Charakter gehabt, auch fehlten entsprechende Förderinstrumente, die den Aufbau einer kontinuierlichen Zusammenarbeit ermöglichten, meint er. Dank des Doktoratskollegs könne nun im Bereich der regenerativen Medizin exzellente Forschung betrieben werden. Und, erläutert Teuschl-Woller, für die Fachhochschule ergebe sich eine „höhere Sichtbarkeit in der Scientific Community“.

 

• Optimierte Krebsforschung

Mit dem Projekt „Pair“ gingen die FH Wiener Neustadt, die Medizinische Universität Wien und die Veterinärmedizinische Universität Wien ins Rennen um die hochdekorierte Förderung. Beim Projekt geht es darum, das strahlenbiologische Verständnis von Ionenstrahlen auf molekularer, zellulärer und organischer Ebene zu erweitern. Die Ionentherapie ist aktuell die fortschrittlichste Form der strahlenbasierten Krebsbehandlung, präklinische Forschung an Tumormodellen ist für die Optimierung der Ionentherapie unerlässlich. „Das diesbezügliche Wissen hat eine Halbwertszeit von anderthalb Jahren. Da ist aktive, autonome Forschung ein Muss“, sagt Markus Zeilinger, Leiter des Kompetenzzentrums für Präklinische Bildgebung und Medizintechnik an der Fachhochschule.

 

• EBS in der Steiermark

Schon länger arbeiten auch die FH Joanneum und die TU Graz zusammen. Man teilt sich Lehrpersonal, richtet einen gemeinsamen Bachelor-Lehrgang aus und forscht miteinander bereits seit vielen Jahren. Jetzt innerhalb eines gemeinsamen Doktoratsprogramms – in der Doctoral School for Dependable Electronic-Based Systems werden Elektronik-basierte-Systeme (EBS) erforscht, also Komponenten, Baugruppen und Geräte mit Mikro- und Nanoelektronik sowie eingebetteter Software. Sie befinden sich in fast jedem technischen Gerät – ob Smartphone, Tablet oder Fahrzeug – und bilden das technologische Rückgrat der Digitalisierung. Jene EBS, erklärt Christian Vogel, Leiter des Instituts für Electronic Engineering der FH würden enorm wachsen, da sie als technologisches Rückgrat der Digitalisierung Bereiche wie Produktion und Infrastruktur intelligenter und nachhaltiger machen. Das Doktoratsprogramm erhöhe einerseits die Sichtbarkeit und die Reputation der Hochschule. Andererseits ermögliche es den Aufbau der notwendigen Strukturen, um langfristig eine gemeinsame Doktoratsausbildung zwischen der TU Graz und der FH Joanneum zu etablieren, die weit über die Laufzeit des Programms hinausgehe.

INFORMATION

doc.funds.connect. Die vom BMBWF initiierte Förderungsmaßnahme in Höhe von fünf Mio. Euro ermöglicht ein kooperatives Doktoratsprogramm zwischen Universitäten und Fachhochschulen. Es soll die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen fördern,die Forschungskompetenz der Fachhochschulen stärken und Doktoranden zusätzliche Möglichkeiten in der Karriereentwicklung bieten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2021)