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Mein Samstag

Stille Nacht

(c) imago images/Westend61 (Elena Helade via www.imago-images.de)
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Jede Familie hat so ihre fixen Rituale und, nun, Eigenheiten. Als ich klein war, war es zum Beispiel undenkbar, dass vor dem Heiligen Abend auch nur eine Zeile der „Stillen Nacht“ erklingt. Bis zum Abend des 24.

Dezember habe ich als Kind immer nur extrem kurze „Holder Knabe im lo...“-Momente gehört, wenn hektisch bei Weihnachtsliederkassetten nach vorn gespult oder die Nadel am Plattenspieler nicht rechtzeitig abgefangen wurde. Was genau passiert wäre, ob etwa das Weihnachtsfest weniger feierlich verlaufen wäre, ob es weniger Geschenke gegeben hätte, wenn wir, sagen wir, schon am vierten Dezember der ganzen „Stillen Nacht“ gelauscht hätten? Für mich war jedenfalls in Stein gemeißelt: Das darf man vor dem 24. keinesfalls hören.

Als Erwachsene sehe ich das nicht mehr ganz so streng, und ich hoffe, unsere Nachbarn auch nicht, denn das Kind hat vor wenigen Tagen damit begonnen, „Stille Nacht“ am Klavier einzustudieren. Die Menschen neben, unter und über uns haben also jetzt ein paar Tage lang den „Stille Nacht“-Proben lauschen dürfen, bis sich das Kind entschlossen hat, dass es doch lieber auf „Leise rieselt der Schnee“ umschwenkt.