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Expedition Europa

Hier dürfen Kühe noch Hörner haben

Unser Autor Martin Leidenfrost auf der Suche nach dem Hornvieh im schweizerischen Appenzell Innerrhoden, der Hochburg des Kuh-Kults.

Als ich klein war, ging ich täglich mit Oma zu den Kühen, die ich dem Namen nach kannte. Nun bin ich groß, 45 Jahre vom Bauernhof weg, aus der Ferne fasziniert mich aber die geradezu indisch anmutende Heiligung der Kuh in der Schweiz. Aus der Fachliteratur weiß ich, dass wohlgefüllte Heustöcke, Wiesen ohne Steine, volle Milchkannen und schön geformte Kühe einst der Stolz Schweizer Kuhbauern waren. Sie pflegten die Kühe stundenlang, prunkten auf Viehschauen und trieben die prämierte Kuh blumenbekränzt und pochenden Herzens heim. Auch wenn niemand dort den Spruch je gehört haben will, hieß es seit dem 18. Jahrhundert, dass der Appenzeller Bauer seine Kühe mehr liebt als seine Kinder.

Die Information, dass die Mehrheit der Schweizer Kühe keine Hörner mehr hat, verstört mich. Die wenigen Kühe meiner Oma hatten Hörner, allerdings standen sie auch lebenslang in einem Anbindestall. Hornkühe brauchen mehr Platz, auf der Weide ist die Verletzungsgefahr für Mensch und Tier größer. 2018 stimmte die ganze Schweiz darüber ab, ob jede behornte Kuh mit einem Franken pro Tag gefördert werden soll. 55 Prozent stimmten dagegen.