Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Laos

Laos hofft auf mehr Wohlstand durch China-Eisenbahn

Peking finanzierte erste Zugstrecke quer durch das Land.

Wien/Vientiane. Es war ein Staatsereignis: In Grün, Rot und Gelb, den Farben der laotischen Flagge, startete am Freitag ein Hochgeschwindigkeitszug von der Hauptstadt Vientiane in Richtung Norden zur chinesischen Stadt Kunming. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping übermittelte seine Grüße per Video. Nach fünf Jahren eröffnete Laos seine erste Eisenbahnstrecke, die quer durch das Land führt. 414 Kilometer ist sie lang und kostete 5,3 Milliarden Euro.

„Ein Traum wird wahr“, meinte Präsident Thongloun Sisoulith: Die Regierung erhofft sich einen Schub für die Wirtschaft. Ab sofort sollen Schnellzüge statt Busse auf steinigen Straßen Touristen ins Land bringen, Waren transportieren und die Logistik insgesamt erleichtern. Sogar eine Verlängerung über Thailand und Malaysia bis nach Singapur ist angedacht. Das Projekt ist Teil von Chinas globalem Infrastrukturprojekt Neue Seidenstraße, mit dem Peking seinen Einfluss auf der Welt ausbauen will.

Das kommunistische Laos könnte einen Aufschwung gut gebrauchen. Die Coronakrise setzte dem südostasiatischen Binnenland zu. Doch es gibt Zweifel, wie der 7,2-Millionen-Einwohner-Staat die Kredite abbezahlen und die Hochgeschwindigkeitsstrecke effizient nutzen kann. Zwei Drittel der Menschen arbeiten in der Landwirtschaft, der Mindestlohn liegt bei rund 100 Euro im Monat. Eine Fahrt von Vientiane zur Stadt Boten an der chinesischen Grenze kostet aber knapp zwölf Euro – gut ein Zehntel des monatlichen Mindestlohns. Auch die 4400 Menschen, die wegen des Baus ihr Land verlassen müssen, können nicht von dem Projekt profitieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2021)