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Auf Arnie folgt ein 72-jähriger "Weltverbesserer"

California Democratic gubernatorial candidate Jerry Brown speaks during a campaign rally in Oakland
(c) REUTERS (Robert Galbraith)
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Jerry Brown wird im hohen Alter zum zweiten Mal Gouverneur von Kalifornien. Der Demokrat muss den Bundesstaat vor dem Bankrott bewahren und sich dafür mit den Gewerkschaften anlegen.

Der entzauberte Superheld tritt ab, ihm folgt ein sanftmütiger Exzentriker. Die Wähler in Kalifornien haben den Demokraten Jerry Brown zum Nachfolger von Gouverneur Arnold Schwarzenegger bestimmt und damit erneut ihre Vorliebe für unkonventionelle Kandidaten unter Beweis gestellt.

Brown gelang dabei bei der Kongresswahl im Herbst 2010 das Kunststück, als einziger Demokrat einen bisher republikanischen Gouverneurs-Posten umzufärben.

Wie Schwarzenegger schillert auch er in bunten Farben. Brown bringt das Kunststück fertig, zugleich der jüngste und der älteste Gouverneur in der Geschichte Kaliforniens zu sein. 1974 wurde der Demokrat Brown mit nur 36 Jahren erstmals in dieses Amt gewählt. Nun wird er mit 72 Jahren erneut Gouverneur - ein neuer Altersrekord.

Bundesstaat am Rande des Bankrotts

Von Schwarzenegger erbt der Politiksenior Brown einen Bundesstaat am Rande des Bankrotts. Im Haushalt fehlen knapp 20 Milliarden Dollar. Die Arbeitslosigkeit liegt mit 12,4 Prozent weit über dem US-Durchschnitt. Zuletzt konnte Kalifornien, das gemessen an seiner Wirtschaftsleistung die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt ist, seine Rechnungen zeitweise nur mit der Ausgabe von Schuldscheinen begleichen. Der Streit von Demokraten und Republikaner im Landesparlament lähmt die Politik.

"Mich treibt der Eifer, die Welt zu verbessern"

Der scheidende Gouverneur Schwarzenegger, der sein Amt mit dem kraftmeierischen Gestus des Actionfilm-Helden angetreten hatte, verhedderte sich zuletzt im Parteienstreit, seine Umfragewerte sind im Keller. Dem "Gouvernator" folgt nun ein Politiker, dem seit seiner ersten Amtszeit zur Hoch-Zeit der Hippie- und New-Age-Bewegung in Kalifornien der Spitzname "Gouverneur Mondschein" anhängt. "Mich treibt immer noch der missionarische Eifer, die Welt zu verbessern", rief Brown in der Wahlnacht. "Hier geht es um Visionen."

Wenn Politikexperten in Kalifornien den neuen Gouverneur beschreiben, fallen oft Worte wie "exzentrisch" oder "unorthodox". Jerry Brown ist ein eingefleischter Öko-Freund. Er beschäftigte sich mit asiatischer Philosophie und interessiert sich für Außerirdisches. In seiner ersten Amtszeit als Gouverneur spielte er mit der Idee eines eigenen kalifornischen Raumfahrtprogramms. Damals ließ er Gouverneursvilla und Dienstwagen links liegen, mietete sich in eine Zwei-Zimmer-Wohnung ein und fuhr im Kleinwagen zum Regieren ins Büro. Aufsehen erregten seine Frauengeschichten, unter anderem eine Affäre mit der Sängerin Linda Ronstadt.

Browns persönliche Sparsamkeit ist zugleich politisches Programm. Die Budgetnotlage Kaliforniens erzwingt drastische Sparmaßnahmen. Dabei wird sich Brown auch mit den mächtigen Beamtengewerkschaften anlegen müssen, die seinen Wahlkampf gegen die republikanische Unternehmerin Meg Whitman unterstützt haben. Brown hatte während der Kampagne sein fortgeschrittenes Alter zur Tugend erklärt und versprochen, "keine halbherzigen Kompromisse" zu schließen, da er ohnehin keine Ambitionen auf weitere politische Ämter habe.

Aus den Beteuerungen des Karriereverzichts spricht freilich auch die Erfahrung eines politisch Gedemütigten. Nach seinem Frühstart als junger Gouverneur hatte sich Brown, dessen Vater selbst einmal Gouverneur in Kalifornien war, drei Mal vergeblich um die Präsidentschaftskandidatur seiner Demokraten bemüht. Bei seiner Kandidatur für den US-Senat 1982 verlor er. Sein politisches Comeback feierte er erst 1999 mit seiner Wahl zum Bürgermeister der Stadt Oakland. Seit 2006 war er Generalstaatsanwalt von Kalifornien. Ein Jahr davor hatte der langjährige Junggeselle die Modemanagerin Anne Gust geheiratet.

(Ag.)