"Impfschaden-Sager"

Belakowitsch bei Nationalratswahl fälschlicherweise als „Ärztin“ geführt

Die Aufregung um Belakowitsch sei eine Ablenkung von den „chronischen Lügen der Regierung“, so die FPÖ.
Die Aufregung um Belakowitsch sei eine Ablenkung von den „chronischen Lügen der Regierung“, so die FPÖ.APA/HERBERT NEUBAUER
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Bei einer Corona-Demo am Samstag sorgte die FPÖ-Abgeordnete Dagmar Belakowitsch mit ihrem „Impfschaden-Sager“ für Aufregung. Bei der Nationalratswahl 2013 wurde sie als „Ärztin" geführt, obwohl sie nie selbst praktiziert hat.

Die Nationalratsabgeordnete Dagmar Belakowitsch hatte bei einer Corona-Demo am Samstag behauptet, dass „nicht die bösen Ungeimpften“ an den überfüllten Intensivstationen im Land Schuld tragen würden. Ganz im Gegenteil – es seien „ganz viele Geimpfte, die aufgrund eines Impfschadens behandelt werden müssen“, meint die FPÖ-Politikerin. Die Ärzteschaft wisse „ganz genau, was in den Spitälern los ist“, sagte sie vor einem großen Publikum an Corona-Skeptikern. „Die Ärzteschaft“ wies diese Behauptungen auf Schärfste zurück. Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres riet, sich zur Spitalslage nicht über dubiose Quellen im Netz, sondern besser direkt beim medizinischen Personal vor Ort zu informieren.

„Kann mir das nicht erklären"

Belakowitsch selber ist jedenfalls kein Teil ebendieser „Ärzteschaft". Sie ist zwar studierte Medizinerin und führt den Titel „Dr. med.", hat aber nach dem Abschluss lediglich zwei Monate lang in einer Lehrpraxis mitgewirkt. Noch vor Ende der Probezeit stieg sie aus „privaten Gründen“ wieder aus, wie die „Kleine Zeitung“ bereits 2015 berichtete. Bei der Nationalratswahl im Herbst 2013 wurde die Kandidatin auf der Liste der FPÖ als „Ärztin“ geführt. Dabei war sie bereits im März desselben Jahres per Bescheid von der Wiener Ärztekammer von der Ärzteliste gestrichen worden. Und zwar rückwirkend mit 2. Juni 2008.

Belakowitsch selbst konnte sich diesen Fehler „nicht erklären“. Sie lege „immer großen Wert darauf, als Medizinerin geführt zu werden“, nicht als Ärztin, sagte die Abgeordnete damals gegenüber der „Kleinen Zeitung“. Die Wahlliste der FPÖ ist aber nicht die einzige Quelle mit falschen Angaben zu ihrer Biografie. Auf der Website des Parlaments sind einige Eckpunkte bis heute nicht korrekt. Belakowitschs beruflicher Werdegang wird dort als „Ärztin" betitelt, ihre berufliche Tätigkeit als „Medizinerin“. Für Richtigkeit und Umfang der biografischen Daten sind die jeweiligen Abgeordneten selbst verantwortlich, wie auf der Parlamentsseite zu lesen ist.

FPÖ verteidigt Belakowitsch auf Homepage

Die FPÖ veröffentlichte am Montag einen Artikel auf der Homepage, in dem die „künstliche Aufregung“ über Belakowitsch als Instrument zur Ablenkung von den „chronischen Lügen der Regierung“ bezeichnet wurde. Die anderen Parteien würden Stoff benötigen, um von der „Impfzwang-Lüge“ abzulenken, behauptet FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz. „Bald wird jeder jemanden kennen, der an Impf-Nebenwirkungen leidet“, meint Belakowitschs Parteikollege außerdem und spricht weiter von einer „hohen Dunkelziffer“, die auch darauf zurückzuführen sei, dass die Ärztekammer impfskeptischen Ärzten mit Disziplinarmaßnahmen drohe.

Im Artikel der FPÖ werden weder Quellen angeführt noch die zitierten Daten in Relation zu anderen Zahlen gesetzt. So wird etwa angegeben, dass laut Ages fast 50 Prozent der Covid-Patienten auf den Normalstationen geimpft sind, jedoch nicht, dass dieser Prozentsatz auf den Intensivstationen um einiges höher ist. Die 40.000 Nebenwirkungs-Verdachtsfälle nach Corona-Impfungen, auf die sich Belakowitsch bezogen hatte, werden ebenfalls nicht mit der Anzahl von Long-Covid-Fällen oder Impfnebenwirkungen herkömmlicher Vakzine verglichen. Diese Vorgehensweise entspricht der Definition von „Fake News“ der Initiative „Safer Internet“.


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