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Die Ich-Pleite

„Das Paket wurde nicht geliefert“

Carolina Frank
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Das Lieferauto steht vor dem Haus. Ich stürze zur Tür und brülle begeistert „Erster Stock, bitte!“ in die Gegensprechanlage.

Ich finde, zum Lockdown ist schon alles gesagt. Zum Beispiel, dass man vermehrt allein zuhause sitzt und sich Trost im Internet bestellt. Bei mir sind es mehr Flaschen meines Lieblingsweins, als ich tragen könnte. Drei Tage später schreibt mir ein bekannter Paketdienst, ich nenne keinen Namen, aber da kann sich ruhig jeder betroffen fühlen, dass mein Paket heute ­zwischen 7.30 und 11.30 Uhr zugestellt wird. Und wirklich, um 9.30 Uhr läutet es. Das Lieferauto steht vor dem Haus. Ich stürze zur Tür und brülle begeistert „Erster Stock, bitte!“ in die Gegensprechanlage.

Gleich darauf höre ich den Lift und Getrappel auf der Treppe (der Nachbar von oben), noch einmal den Lift, wieder Getrappel (der Nachbar von ganz oben). Und dann nichts mehr. Zehn Minuten später ist das ­Lieferauto weg. Bevor ich aus Verzweiflung meinem Wein hinterherspringen kann, meldet sich ein freundlicher Algorithmus mit der Bitte um eine Bewertung. „Ihre Meinung ist ­uns wichtig!“ Der kann jetzt aber was ­erleben! Ich kreuze „gar nicht ­zufrieden“ an und setze im Geiste mehrere Rufzeichen und ein „Wappler“ dahinter. Weil er sein Service ständig verbessern will, möchte der Algorithmus noch wissen, warum ich nicht zu­­frieden war.

Zur Auswahl ­stehen ­„Das Paket war beschädigt“, „Das Paket wurde an die falsche Adresse geliefert“ oder „Das Paket wurde nicht in der angegebenen Zeit geliefert“. ­Da es die Kategorie „Das Paket wurde nicht geliefert, obwohl dem Paketzusteller die Tür geöffnet und erklärt worden ist, wo man wohnt“ nicht gibt, wähle ich „Das Paket wurde nicht geliefert, obwohl jemand zu Hause war“. Wütend warte ich auf Antwort. Und die lässt auch nicht lang auf sich warten: „Dein Paket wurde zugestellt. Wir wünschen viel Freude damit!“ 

("Die Presse Schaufenster" vom 03.12.2021)