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EU-Bericht

Chemie hält sich hartnäckig in Europas Wasser

Agrochemikalien haben Nebenwirkungen.
Agrochemikalien haben Nebenwirkungen.REUTERS
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Bis 2030 soll das Wasser weniger Chemie enthalten, hofft die EU-Umweltagentur EEA. Die jüngsten Zahlen, die am Donnerstag veröffentlicht worden sind, legen dies allerdings nicht nahe.

Quer durch Europa werden in den Gewässern Pestizide teilweise in besorgniserregender Konzentration und Verbreitung festgestellt – und mit einer ausgeprägten Hartnäckigkeit. Auf diesen Nenner lässt sich das Ergebnis einer Studie bringen, welche die Europäische Umweltagentur (EEA) am Donnerstag veröffentlicht hat. Österreich schneidet diesbezüglich besser ab als die Nachbarländer ab, als „gut“ kann die Situation aber nicht eingestuft werden.

Der Berichtszeitraum für die Belastung durch chemischen Produkte, die auf die Äcker gesprüht werden, erstreckt sich auf die Jahre 2013 bis 2019 und basiert auf dem Zahlenmaterial, das die Mitgliedsländer an die EU übermittelt haben. Die Werte sind nur bedingt vergleichbar: Denn der Einsatz dieser umstrittenen Chemikalien ist von Land zu Land unterschiedlich, und auch die Zahl der Messstellen ist bei den einzelnen Gewässertypen – Flüsse, Seen, Grundwasser – völlig unterschiedlich.

Für alle EU-Staaten gemeinsam gilt, dass vor allem fünf derzeit häufig eingesetzte Pestizide im Wasser, in dem sie überhaupt nicht sein sollten,  gemessen werden: die Insektizide Imidacloprid und Malathion und die Herbizide MCPA, Metolachlor und Metazachlor. Überschreitungen werden an 13 bis 30% der Messstellen in Oberflächengewässern und im Grundwasser bei drei bis sieben Prozent festgestellt. In der Langzeitbetrachtung zeigt sich, dass in Oberflächengewässern in den Jahren 2016 und 2017 die Belastung am höchsten (und gegenüber 2013 mehr als doppelt so hoch) gewesen, 2018 abgesunken und 2019 dann wieder gestiegen ist, aber den 2017er-Wert nicht erreicht hat. Im Grundwasser gibt es ein Sinken der Werte über den Berichtszeitraum (2019 gegenüber 2013), wobei über die Jahre Schwankungen festzustellen sind.

Hartnäckig problematisch ist eine Substanz, obwohl deren Verwendung in der EU seit 2004 verboten (1991 in Deutschland, 1995 in Österreich) ist. Atrazin und seine Abbauproduklten werden nach wie vor in den Gewässern gemessen.

Europaweit sind von 9327 Oberflächengewässern

  • etwa jedes fünfte belastet (19%),
  • von 257 großen Flüssen 18%,
  • von 4501 mittleren Flüssen 20%,
  • von den 2642 kleinen Flüssen 22%,
  • von den 1049 Seen 16% und
  • von 13.544 Grundwasservorkommen 7%. Aus der Auswertung geht beim Grundwasser nicht hervor, wie viele Menschen Trinkwasser aus den belasteten Vorkommen beziehen.

In Österreich wurden

  • von 46 Oberflächengewässern 13%,
  • von 23 mittleren Flüssen 23%,
  • von neun kleinen Flüssen 22%
  • und von 2009 Grundwasservorkommen 5% als belastet gemeldet.

Bei den neun großen Flüssen wurden keine Überschreitungen gemeldet. Werte aus Seen gibt es nicht.

Die EU hat zu dem Thema zwei Vorgaben: einerseits die Wasser-Rahmenrichtlinie. Sie schreibt vor, dass sich der Zustand der Gewässer verbessern müsse und jedenfalls nicht schlechter werden dürfe. Und andererseits ist im Rahmen des „Green Deal“ vorgegeben, dass bis zum Jahr 2030 der Einsatz von Chemie am Acker halbiert werden muss.