Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Stromablesung

Hyundai Ioniq 5: Stilistischer Überraschungsangriff

Spektakuläres Spiel mit den Proportionen, denn der Ioniq 5 ist kein Kompakter wie der 1er-Golf, den er zitiert – der Radstand von drei Metern rangiert im Bereich einer Oberklasse-Limousine.
Spektakuläres Spiel mit den Proportionen, denn der Ioniq 5 ist kein Kompakter wie der 1er-Golf, den er zitiert – der Radstand von drei Metern rangiert im Bereich einer Oberklasse-Limousine.Fabry
  • Drucken

Ein Spiel mit Zitaten und Proportionen – dass der spektakulär gezeichnete Hyundai Ioniq 5 aus dem Stand etablierte Konkurrenten überholt, liegt auch an inneren Qualitäten.

Bei Volkswagen ist der Eindruck entstanden, man würde auf Tesla schauen wie das Kaninchen auf die Schlange. Von dem Autobauer lässt sich sicherlich einiges lernen, auch wenn sich nicht alles einfach so anwenden lässt – mangels Gewerkschaften etwa hat das Tesla-Management freiere Hand im Unternehmen als VW-CEO Herbert Diess in Wolfsburg.
Vor allem aber gibt es noch andere tüchtige Konkurrenten, jene von der sozusagen alten Schule. Die Hyundai-Kia-Gruppe könnte noch in diesem Jahr zu Europas Nummer drei aufsteigen, und sie bringt Autos in Stellung, die nicht bloß als Alternative taugen – sondern als erste Wahl gelten können.

Großes Lenkrad, viel Display, hochwertig verarbeitet: Ioniq 5-Interieur.
Großes Lenkrad, viel Display, hochwertig verarbeitet: Ioniq 5-Interieur.Fabry


Der Hyundai Ioniq 5 ist das Werk des Designers Luc Donckerwolke, den man bei VW hat gehen lassen, und der in seinem Wurf Grußbotschaften an seinen früheren Arbeitgeber verpackt hat. Mit seiner Verneigung vor dem Keil-und-Kanten-Maestro Giorgetto Giugiaro und dessen progressiver Karosserieschmiede Italdesign zitiert Donckerwolke im Ioniq 5 den epochalen Auftritt des ersten VW Golf (1974, ein Giugiaro-Entwurf).
Nur dass es sich mitnichten um einen typischen Kompakten handelt – denn der Ioniq 5 ist eine optische Täuschung, ein raffiniertes Spiel mit Proportionen. Es ist ein ausgewachsenes, großes Auto, länger als der VW ID.4, vor allem mit dem opulenten Radstand – drei Meter! – einer Oberklasse-Limousine. Und man sitzt höher, ohne dies in einem weiteren banalen Cross-over oder SUV zu tun, von denen es schon so viele gibt.
Power Nap
Der Ioniq 5 hat aber mehr zu bieten als einen gewinnenden ersten Eindruck. Die Plattform ist brandneu und wird absehbar ein ganzes Dutzend Derivate beherbergen, auch von der Schwestermarke Kia (schon am Start: Kia EV6). Die 800-Volt-Technik des Antriebsstrangs hat sonst in der Branche derzeit nur Porsche (samt Audi-Ableger) zu bieten, sie erlaubt höheren Stromfluss bei leichterer Bauweise, mithin kurze Ladezeiten durch hohe Ladeleistung (maximal 221 Kilowatt bei Gleichspannung, wo immer es die Stromtränke hergibt).
Für den Ioniq 5 gibt es zwei Batteriegrößen (58,2 und 72,6 kWh) und für beide eine Allradoption mit zusätzlich einem Elektromotor an der Vorderachse (Ausführung als PSM; dass dieser mechanisch entkoppelt werden kann, um bei Nichtbedarf den Widerstand zu reduzieren und damit Strom zu sparen, ist eine weitere Besonderheit des Hyundai).
Wir fuhren die Long-Range-Variante mit Heckantrieb, die empfehlenswerte Variante, wenn man die Kosten im Auge behalten möchte – zumal schon die Basisversion (Base Line) ein erstaunlich vollwertiges Auto mit mehr als nur vertretbarer Ausstattung abgibt.
Reichweite Verhandlungssache
Dass es die originale Relax-Funktion der Vordersitze – ergibt nahezu Liegesitze – nur im Top-Paket gibt: verschmerzbar, denn der Power Nap beim Laden lässt sich auch auf dem normalen Gestühl gut arrangieren. Dass der Innenraum hinter den Erwartungen, die das Äußere weckt, nicht zurückbleibt, dürfte für Hyundai Ehrensache gewesen sein. Hochwertigkeit, wo man hinsieht und fühlt; Details, die liebevoll verspielt sind, ohne zu nerven.
Von VWs Sündenfall, im Cockpit die analogen Regler einzusparen und durch unsägliche Slide-Felder zu ersetzen, die Klimafunktionen dabei unbeleuchtet zu lassen, davon kann man sich im Ioniq 5 ausgiebig erholen.

Zu guter Letzt noch ein respektabler Kofferraum von 531 bis 1591 Liter - plus 57 Liter im "Frunk", wenn an der Front keine E-Maschine sitzt.
Zu guter Letzt noch ein respektabler Kofferraum von 531 bis 1591 Liter - plus 57 Liter im "Frunk", wenn an der Front keine E-Maschine sitzt.Fabry


Im Fahrbetrieb ist der One-Pedal-Modus schnell aktiviert, die Rekuperation lässt sich auch per Wippen am Lenkrad justieren. Die Beschleunigung ist gut, aber nicht außergewöhnlich, dafür müsste man mit einem zweiten Motor aufrüsten. Allzu sportlich will der Ioniq 5 aber ohnehin nicht bewegt werden, den Hot Hatch, den man ihm vielleicht ansehen wollte, kann er nicht geben. Entspanntes, flottes Gleiten ohne Sorge, das Ziel zu erreichen, das ist eher sein Modus. Die Reichweite bleibt Verhandlungssache aus äußeren Umständen und Fahrweise, woraus sich letztlich ein breiter Korridor von 250 (Autobahn, kalt) bis 400 km ergibt. Auch dies also kein E-Auto für die Fernstrecke, immerhin macht es besonderen Spaß, die elektrische Ladeklappe (rechts hinten) zu betätigen – Surr, Surr, Flapp, Raumschiff-Feeling!

Hyundai Ioniq 5 (2WD LR)

Maße: L/B/H: 4635/1890/1605 mm, Radstand: 3000 mm, Leergewicht: 1990 kg, Kofferraum: 57 l v. + 531–1591 l h
Antrieb: PSM an der Hinterachse, Peakleistung: 160 kW (218 PS), Dauerleistung: 53 kW, Drehmoment: max. 350 Nm, Batterie: 72,6 kWh netto
0–100 km/h in 7,4 Sek.
Vmax: 185 km/h, Reichweite: ca. 450 km
Ladeleistung: DC max. 221 kW
Testverbrauch: 18,2 kWh/100 km
Preis: ab 48.990 Euro