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Weihnachtsbeleuchtung

Zum Tierschutz nachts abschalten

Stimmungsvoll, für nachtaktive Tiere aber oft zu viel des Guten: Weihnachtsbeleuchtung.
Stimmungsvoll, für nachtaktive Tiere aber oft zu viel des Guten: Weihnachtsbeleuchtung.Weihnachtsbeleuchtung.at
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Die längsten Nächte des Jahres heller zu machen hat Tradition  – doch nicht alles, was heute möglich ist, ist auch angenehm oder sinnvoll.

War man in früheren Zeiten auf Kerzen oder offenes Feuer beschränkt, erlaubt es die Elektrizität, die Nacht zum Tag zu machen. Besonders intensiv wird das in den Tagen vor Weihnachten praktiziert. Nicht nur im öffentlichen Bereich, in dem man in den Städten zumindest bestimmten Beschränkungen unterworfen ist, werden Bäume mit Lichterketten umwickelt oder Fassaden beleuchtet, sondern vor allem auch im Einfamilienhaus-Bereich. „Im Prinzip herrscht im privaten Bereich, vor allem auf dem Land, eine gewisse ,Narrenfreiheit‘. Die Palette der Beleuchtungen reicht von stimmig und dezent bis zu bunt, blinkend, schrill – sozusagen Las-Vegas-Style“, erzählt Margit Held-Bargehr, Geschäftsführerin von Starline Lichtdekorationen in Innsbruck. Das gehe von Lichterketten für die Hausfassade über beleuchtete Bäume und leuchtende Eiszapfen bis zum Weihnachtsmann im Schlitten.

 

Spielwiese für Technikfreunde

„Großformatige beleuchtete Figuren scheinen im öffentlichen Bereich zurzeit en vogue zu sein, im privaten geht es eher in Richtung technischer Spielereien. So gibt es etwa die Steuerung der Lichteffekte per App“, bemerkt Hans-Jürgen Neuzil, Chef von Lichtideen Weihnachtsbeleuchtung. Und es scheint immer professioneller zu werden. Vorbei sind die Zeiten, in denen man ein paar Lichterketten über die Tür gehängt hat, heute wird mit der Planung für das weihnachtlich beleuchtete Haus zum Teil bereits im Juni begonnen, und man holt sich Rat von Professionisten für Planung und Ausführung.
Eines konstatieren die meisten Weihnachtsleuchtenplaner: Der Lockdown hat die Idee, sein Haus weihnachtlich erglühen zu lassen, beflügelt. „Die Menschen sind mehr zu Hause, beschäftigen sich mehr mit ihrem Heim, haben mehr Zeit und nehmen auch mehr Geld dafür in die Hand“, so Held-Bargehr. Gleiches bemerkt Neuzil: „Die Nachfrage ist heuer sehr stark, die Menschen wollen sich eine Freude machen und ihre Umgebung schmücken.“

In den Wohnungen in der Stadt geht es deutlich dezenter zu, was auch verschiedenen gesetzlichen Bestimmungen geschuldet ist. „Hier begnügt man sich eher mit einer schlichten Beleuchtung der Fenster oder des Balkons – von Auswüchsen wie die Hausfassade hinaufkriechenden Weihnachtsmännern abgesehen“, sagt die Chefin von Starline. Und noch eines scheint deutlich zu werden: Beleuchtung im großen Stil ist Männersache. „Die Verspieltheit liegt im Manne“, meint Neuzil lapidar. Je technischer und komplizierter, desto mehr. „Den Christbaum etwa mit verschiedenen Mustern zu bespielen und das über eine App zu steuern lieben Männer.“ Gleiches konstatiert Held-Bargehr. „Technische Lichtspielereien, etwa mit verschiedenen Farben zu experimentieren, und das über eine App, ist eher Männersache.“ Und natürlich wird das Sortiment immer größer: Lichterketten oder Leuchtkugeln, die heuer besonders in sind, RGB-gestaltete Leuchten, die in unterschiedlichen Farben erstrahlen, Großfiguren wie Elche, Hirsche, Weihnachtsmänner.

 

Auf die (tierischen) Nachbarn achten

Der Stromverbrauch ist kaum mehr ein Thema, denn die LED-Lampen, die heute eingesetzt werden, sind extrem sparsam. Dennoch meint Sabine Vogel, Energieberaterin bei der Umweltberatung: „Man sollte eine Weihnachtsbeleuchtung nichtsdestotrotz mit Maß und Ziel angehen, häufig kommt es zu einem Rebound-Effekt. Da die einzelnen Leuchten wenig Strom verbrauchen, verwendet man doppelt oder dreimal so viele, damit ist der Stromspareffekt wieder obsolet. Und man sollte auch bedenken, dass der Strompreis ab Jänner stark steigen wird.“

Das ist aber nicht der einzige Grund, warum Vogel einer überbordenden Weihnachtsbeleuchtung skeptisch gegenübersteht. „Vögel und nachtaktive Tiere werden massiv in ihrem Verhalten gestört, wenn eine übermäßige Beleuchtung ihren Lebensraum erhellt. Vögel in beleuchteten Bäumen können nicht schlafen, nachtaktive Tiere weder jagen noch Futter suchen.“

Vogel plädiert daher für warm-weiße Leuchten, die die Tiere weniger stören, und vor allem dafür, die Lichter nicht die ganze Nacht anzulassen. „Am besten wäre es, die Beleuchtung ab 20 Uhr abzuschalten.“ Und sie erinnert an den eigentlichen Weihnachtsgedanken: Besinnlichkeit. „Auch Kerzen können die Nacht erhellen und sind sehr stimmig.“

MÄNNLICHE DEKO-FANS

Beleuchtung im großen Stil ist Männersache – sagen jedenfalls die Experten. „Die Verspieltheit liegt im Manne“, meint Hans-Jürgen Neuzil, Chef von Lichtideen Weihnachtsbeleuchtung. Je technischer und komplizierter, desto mehr. „Den Christbaum etwa mit verschiedenen Mustern zu bespielen und das über eine App zu steuern lieben Männer.“ Gleiches konstatiert Margit Held-Bargehr, Geschäftsführerin von Starline Lichtdekorationen in Innsbruck. „Technische Lichtspielereien, etwa mit verschiedenen Farben zu experimentieren, und das über eine App, ist eher Männersache, eine gewisse Regression in die Kindheit – Männer werden wieder zu Kindern.“ Was Mann oder Frau auf jeden Fall nicht vergessen sollte: Weniger ist oft mehr, auch beim Spiel mit dem Licht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2021)