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Mein Samstag

Koalas im Advent

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Beim Ausmisten daheim in Graz vor einigen Wochen ist mir mein allererstes Tricotronic untergekommen. Für alle, die ein, zwei Generationen jünger sind: Das waren die Vorläufer vom Vorläufer (Gameboy!) des Nintendo Switch, auf denen man genau ein Spiel spielen, nicht auf „Pause“ drücken und den Spielstand niemals speichern konnte.

Bei diesem Tricotronic (oder wie wir als Kinder dachten: „Drück und Dronig“) musste ein Koala seinem Kind Eukalyptuszweige bringen und dabei Vögeln ausweichen. Verglichen mit dem fässerwerfenden Donkey Kong und anderen Tricotronic-Helden also so ziemlich das gewaltärmste Spiel, das es damals gab. Das Erstaunlichste an dem Fund aber war, dass die Batterien nach sicher 30 Jahren immer noch funktioniert haben. Sehr kurz zwar, aber lang genug, um es dem Kind vorzuführen. (Meine Begeisterung hat es ob der Schwarz-Weiß-Optik und des redundanten Spielverlaufs eher nicht geteilt.)

Manche Dinge sind also tatsächlich unverwüstlich. So funktioniert auch die Spielzeugküche des Kindes aus Kleinkindtagen immer noch: Plastik-Tiefkühl-Erbsen, Küchenuhr und Herdplatte spielen immer noch ihre Lieder. Sogar, um Eltern eine frühe mehrsprachliche Förderung vorzugaukeln, zweisprachig („The kitchen heißt die Küche, tralalalalala“).

Extrem beständig ist auch, und dafür habe ich jetzt doch ziemlich weit ausgeholt, unsere Weihnachtsbeleuchtung am Balkon. Die übersteht alles. Frost, Regen. Sogar Hitzetage, wie sich nun weist, denn heuer haben wir sie erst im Spätsommer abmontiert. Bis jetzt konnte ich mich nicht aufraffen, sie wieder anzubringen. Dabei hofft das Kind seit Jahren, dass wir in der Nachbarschaft einmal die Ersten sind, die mit unserer fast hysterisch blinkenden Beleuchtung die Saison eröffnen. Haben wir nicht nur noch nie geschafft, die Bewohner im Haus gegenüber rüsten jedes Jahr weiter auf, weshalb man vor lauter leuchtender Rehe, blinkender Ketten und strahlender Schneemänner vis-à-vis die Balkone und die Besinnlichkeit fast ein bisschen mit der Lupe suchen muss. In diesem Sinne: Schönen dritten Advent!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2021)