Zirbenschnaps und Dirndlaufstrich im römischen Keller

Zirbenschnaps Dirndlaufstrich roemischen Keller
Zirbenschnaps Dirndlaufstrich roemischen Keller(c) Clemens Fabry
  • Drucken

Das Familienunternehmen Haas & Haas baut aus. Zum Teeverkauf im Stammgeschäft kommen nun regionale Spezialitäten dazu. Das neue Geschäft "Porta Dextra" mit seinen vier Kellergeschoßen wird am Donnerstag eröffnet.

Wien. Die Römer hätten ihre Freude gehabt. Dort, wo sich einst die Porta Dextra Principalis, also das Haupttor zum Legionslager Vindobona befand, wird es ab sofort sämtliche Zutaten für ein ausschweifendes Gelage nach Römerart zu kaufen geben.

Aber Schritt für Schritt. Die Wiener Unternehmerfamilie Haas besinnt sich auf ihr früheres Stammgeschäft in der Ertlgasse, Nähe Rotenturmstraße. Das Ehepaar Eva und Peter Haas hat dieses Geschäft vor rund 40 Jahren übernommen und zunächst Korb- und Rattanmöbel verkauft. Später gründeten sie das Teegeschäft Haas&Haas hinter dem Stephansplatz, das Stammgeschäft in der Ertlgasse wurde vernachlässigt. Lange Zeit war die Familie auf der Suche nach einem neuen Konzept für das Ecklokal, in dem sich bis vor den Ersten Weltkrieg das Met-Wirtshaus „Zum süßen Löcherl“ befand. Nun scheint sie es gefunden zu haben. Und die Familie Haas hat sich viel vorgenommen mit dem Geschäft, das so heißt wie das römische Tor, von dem Reste wie Friesplatten, Gesimsstücke und Zinnen im viergeschoßigen Keller erhalten sind: „Porta Dextra“.

Während sich Eva Haas weiterhin auf den Tee konzentriren wird, verlegt sich Ehemann Peter auf österreichische Spezialitäten von regionalen Herstellern. Monatelang hat er sich durch die Produkte kleinster Betriebe in ganz Österreich gekostet und ein Sortiment an diversen Marmeladen, Ölen und Weinen zusammengetragen. Darunter Produkte wie Erdäpfel-Mohn-Konfitüre, Nusspesto, Marillenkerne in Schokolade, Vogelbeer- oder Dirndlaufstriche, Uhudler-Sturm-Gelee, Zirbenschnaps oder Wollschweinschmalz.

Die Produktpalette, die komplett unter dem eigens von der Familie Haas designten Label firmiert (das an das bestehende Design ihrer Teelinie erinnert) soll Touristen (als Ersatz für die Schneekugel mit Stephansdom) wie auch Einheimische ansprechen und insgesamt „eine Visitenkarte österreichischer Kreativität“ sein.

Vier Keller für die Party

Kein reines Verkaufslokal soll die „Porta Dextra“ sein, sondern ein Veranstaltungszentrum, in dem – passend zu den österreichischen Spezialitäten – das Land Österreich „in seinen vielfältigen Facetten“ gezeigt wird, wie Peter Haas sagt. Er wolle in Zukunft Werke von heimischen Künstlern und Fotografen zeigen, über Literatur und Musik diskutieren.

Die vier dezent adaptierten Kellergewölbe, von denen eines an die Apsis einer Kapelle erinnert und von einer josephinischen Säule getragen wird, werden aber auch für private Veranstaltungen zu mieten sein.

Und: So weit entfernt von den römischen Gelagen ist das wahrscheinlich wirklich nicht.
Die „Porta Dextra“ von Haas& Haas, Ertlgasse 4, wird heute, Donnerstag, um 18 Uhr eröffnet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2010)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.