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Ausstellung

Jugendstil-Architekt Josef Hoffmann: Leben im Schmuckkästchen

„Haus des Künstlers auf der Hohen Warte“, 1904: Carl Moll verewigte seine Hoffmann-Gartenterrasse.
„Haus des Künstlers auf der Hohen Warte“, 1904: Carl Moll verewigte seine Hoffmann-Gartenterrasse.Národní Galerie Praha
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Am Dienstag eröffnet im MAK die bisher größte Ausstellung zu Jugendstil-Architekt Josef Hoffmann: Der beste Anlass, seine Wiener Villen zu besuchen – und Gustav Mahlers Grab.

Ein Leben in einem „Schmuckkästchen“, wie Josef Hoffmann seine auf den Leib – vor allem aber auf den Geist der Auftraggeber – geschnittenen Häuser bezeichnete. Wie fühlte es sich an? Ein Wohnen im Gesamtkunstwerk, in dem der Meister des Schönen jedes Detail gestaltet hat, vom Zigarettenetui bis zur horizontalen Kannelur des Dachgesimses? Vom Teppich zum Lampenschirm, vom Bett zur Toilette? Hat er wirklich sogar Toiletten entworfen? Fragt man sich. Während man hinausfährt in den 19. Wiener Bezirk.

Natürlich kann man auch die Solitäre bewundern, die Hoffmann (1870–1956) in Wien verteilte – die orgiastisch klassizistische Villa Skywa-Primavesi in der Gloriettegasse (sie gehört jetzt einem Aluminiumindustriellen). Die subtil gezierte Villa Knips in der Nußwaldgasse, ebenfalls in langjährigem Privatbesitz – wie überhaupt alle der etwa 15 Hoffmann-Juwelen liebevoll gepflegt sind (von der Baulücke, in der einmal die Villa Richard Beer-Hofmanns neben dem Türkenschanzplatz stand, abgesehen).

Sozialen Dünkel hinterfragen. Man kann sich aber auch auf zwei Kolonien des Lieblingsschülers Otto Wagners konzentrieren, die viel über seine Zeit erzählen: die Villen auf der Hohen Warte, wo 1900 sein erstes Haus in Wien entstand. Und die Familienhaus-Kolonie im Kaasgraben. Nicht weit liegen sie auseinander. Am Weg dorthin, per Bim, per Bus, per pedes, tut man wohl, etwaige soziale Dünkel zu überdenken, die man gemeinhin mit Hoffmann verbindet, dem Architekten der Reichen, der jüdischen Elite. Nur die Hälfte der Auftraggeber etwa, schätzt MAK-Ausstellungskurator Rainald Franz, war jüdisch. Und außerdem ging es Hoffmann bei seiner Verfechtung der Schönheit in jedem erdenklichen Detail um nicht weniger als gesellschaftliche Lebensreform. Um gutes, gesundes, fortschrittliches Leben.