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Die Hongkonger Demokratie-Befürworterin Alexandra Wong demonstriert gegen die Verurteilung des Peking-kritischen Zeitungsgründers Jimmy Lai.
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Sicherheitsgesetz

Hongkong: Eine Stadt ringt um Freiheit

Nach Massenprotesten 2019 in Hongkong untergräbt Peking massiv die Rechte, die der chinesischen Sonderverwaltungszone versprochen waren. Drei Hongkonger erzählen von Angst, Hoffnungslosigkeit und tiefen gesellschaftlichen Gräben.

„Angst, ich hatte Angst“, sagt S. Immer wieder macht er lange Pausen, während er an einen Abend im Oktober 2019 zurückdenkt. „Die Polizisten zerrten mich auf den Boden, schlugen vor laufender Kamera auf mich ein. Ich wehrte mich nicht.“ Er habe Straßenbarrikaden errichtet, sonst aber keine Gewalt angewandt, betont der 21-Jährige. S. kann sich noch genau an das Blut eines anderen Demonstranten erinnern, das die Straße neben ihm bedeckte. Er selbst könne sich glücklich schätzen, sagt er immer wieder. S. kam mit Schürfwunden davon. Und mit wenigen Monaten Haft. „Ich habe kein Recht, mich als Opfer zu bezeichnen.“

Der junge Mann ist einer von 10.200 Menschen, die vor zwei Jahren infolge der Massenproteste in Hongkong inhaftiert wurden. Hunderttausende Bewohner der chinesischen Sonderverwaltungszone gingen damals auf die Straße, um gegen den wachsenden Einfluss der Pekinger Zentralregierung auf die unabhängige Justiz, Medien- und Meinungslandschaft sowie für freie Wahlen in der Finanzmetropole zu protestieren.

Über Monate verhärteten sich die Fronten zwischen friedlichen Demonstranten und gewaltbereiten Hardlinern auf der einen, Regierung und Polizei auf der anderen Seite. Die Aktivisten fühlten sich in ihren Forderungen nicht angenommen, verurteilten die zunehmende Polizeigewalt. Die Behörden verteidigten zunehmend strikte Maßnahmen und brutales Vorgehen mit der Gefahr für Sicherheit und soziale Ordnung, die von den „Aufwieglern“ ausgehe.

Nicht mehr sicher

S. saß wegen Teilnahme an einer „nicht autorisierten Versammlung“ ein. Vielen Freunden hingegen drohen für „Aufruhr“ zehn Jahre im Gefängnis, manchen für die „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ sogar lebenslänglich. Er fühle sich nicht mehr sicher, meint der Aktivist: „Man weiß nie, ob die Polizei dich holt.“