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Mein Montag

Omnikron ist das neue Infiszieren

Eselsbrücke: Stellen Sie sich die 95-jährige britische Königin mit ihrer Kopfbedeckung vor.
Eselsbrücke: Stellen Sie sich die 95-jährige britische Königin mit ihrer Kopfbedeckung vor.imago/Sven Simon
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Wenn bei Wörtern ein Buchstabe hinzugefügt oder weggelassen wird – von Inszidenz bis zu den Analen.

Die Lateiner unter uns wissen ja, dass omnis so viel wie „jeder“, „alles“ oder „ganz“ bedeutet. Insofern kann man es sich schon vorstellen, dass im Zuge der Pandemie jeder einmal mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen ist – und doch ist es ein Fehlschluss, dass deswegen die neue Variante Omnikron heißt. Die Griechen unter uns wissen, dass der Name der Mutante vom 15. Buchstaben des griechischen Alphabets kommt und korrekt Omikron heißt. (Eselsbrücke: Stellen Sie sich die 95-jährige britische Königin mit ihrer Kopfbedeckung vor. Verstanden?) Es ist aber natürlich nicht das erste Mal, dass Wörtern ein zusätzlicher Buchstabe angedichtet wird. Wir hatten das zuletzt bei der Inszidenz, die ja schon als das neue Infiszieren galt. Letzteres ist ja der Klassiker schlechthin – den sollte man, sobald er irgendwo auftaucht, sofort konfiszieren (hier stimmt das sz übrigens, weil es sich vom lateinischen Verb confiscare – beschlagnahmen – ableitet). Wobei man sich nicht gleich selbst glorifizieren muss (hier wieder ohne s), nur weil man weiß, dass das Suffix -fizieren vom lateinischen ficere bzw. facere kommt, was so viel wie „machen“ bzw. „tun“ bedeutet. Können Sie sich damit identifizieren? Oder soll ich noch weiter spezifizieren?

Der zusätzliche Buchstabe muss aber nicht unbedingt ein s sein. Sie kennen ja vermutlich Lokale, in denen behauptet wird, dass man „Billiard“ spielen kann – was zwar so ausgesprochen, doch „Billard“ geschrieben wird. So wie auch Brillanten das i nur in der gesprochenen Variante mit sich führen – brillant, oder? Es gibt aber auch die Variante, dass ein an sich korrekter Buchstabe weggelassen wird – Sie haben sicher schon öfter Millenium gelesen, zum Beispiel. Das leitet sich halt von annus ab, dem Jahr, und nicht vom anus, dem After. Insofern sollte man vorsichtig sein, dass nicht etwas in die Analen eingeht. Es könnte sich ja infiszieren . . .

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2021)