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Abstandhalten

Weniger Corona-Gefährdete ziehen in maßnahmentreuem Umfeld eher mit

Hält sich in einer Gruppe kaum jemand an Corona-Maßnahmen, steigt der soziale Druck, dies ebenfalls nicht zu tun.
Hält sich in einer Gruppe kaum jemand an Corona-Maßnahmen, steigt der soziale Druck, dies ebenfalls nicht zu tun.imago images/Rüdiger Wölk
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Das soziale Umfeld kann entscheiden, ob auch Menschen, die wenig Angst vor einer Corona-Infektion haben, die Maßnahmen beachten – das hat eine Studie der Universität Wien ergeben. „Klare politische Kommunikation“ sei dabei entscheidend.

Die Beobachtung haben in der Pandemiezeit vermutlich viele Österreicher gemacht: Man betritt einen Raum mit Maske und spürt förmlich die Blicke jener, die sich im gleichen Raum ohne Schutz aufhalten. Daten von heimischen Forschern zufolge steigt in solch einem Umfeld die Chance, dass man selbst auch die Maske ablegt. Umgekehrt bringt eine maßnahmenkonforme Umgebung aber auch Menschen, die sich selbst durch Covid-19 wenig gefährdet sehen, dazu, Abstände und Co. einzuhalten

Die Analyse von Bernhard Kittel, Fabian Kalleitner und David Schiestl vom Institut für Wirtschaftssoziologie der Universität Wien fußt auf Daten aus der seit Pandemiebeginn wiederholt durchgeführten Austrian Corona Panel-Befragung. In diese im Fachblatt "Plos One" erschienene Auswertung gingen Angaben ein, die 2030 Teilnehmer zwischen April 2020 und 2021 gemacht haben. Damals standen die Covid-19-Impfungen noch nicht allen Personen mehr oder weniger ohne Einschränkungen offen.

Sozial herrschende Normen bestimmten Verhalten

Maßnahmen zur Prävention von Infektionen vor allem anderer auch tatsächlich einzuhalten, wenn man sein eigenes Risiko zur Erkrankung beziehungsweise auf einen schweren Verlauf als gering einschätzt, ist nicht für jedermann einleuchtend. Das hat die Pandemie relativ deutlich gezeigt. Als wichtigste Faktoren, die begünstigen, dass Menschen sich an der Mobilitätsreduktion, dem Abstandhalten und dem Maskentragen beteiligen, haben die Wissenschaftler neben der Wahrnehmung des eigenen Risikos die herrschenden sozialen Normen identifiziert. Hinter letzterem verbirgt sich die Wahrnehmung des Verhaltens anderer und des von anderen erwünschten Verhaltens, heißt es am Montag in einer Aussendung der Uni Wien.

Die beiden Faktoren hängen der Studie zufolge relativ eng zusammen: Je niedriger das Level an wahrgenommener persönlicher Gesundheitsgefährdung war, umso wichtiger sind die sozialen Normen für die Einhaltung der Maßnahmen. Wenn umgekehrt die Risikoeinschätzung von niedrig bis moderat auf moderat bis hoch anstieg, war der Effekt der sozialen Normen um ein Viertel geringer, schreiben die Wissenschafter in ihrer Arbeit.

Insgesamt zeige sich, dass Menschen sich öfter an Präventionsmaßnahmen halten, die ihnen selbst keinen unmittelbaren Vorteil versprechen, wenn sich in ihrem Lebensumfeld andere eher regelkonform verhalten. Auf der anderen Seite steige wiederum der soziale Druck, genau dies nicht zu tun, in einer Personengruppe, wo sich kaum jemand an Maskenpflicht und Co. hält.

Eigenverantwortung reicht nicht aus

Will man nun das Einhalten der Präventionsmaßnahmen fördern, müssten Menschen gefördert bzw. unterstützt werden, die dies auch tun, so Kittel, der als Projektleiter des ACP-Projekts fungiert. Es sei eben entsprechend schwierig für Einzelpersonen, sich in einem zum Beispiel durch einseitigen Medienkonsum oder Wahrnehmungsverzerrungen geprägten Umfeld durchzusetzen.

Für Kittel ist es daher "entscheidend, erwünschte Handlungsweisen politisch klar zu kommunizieren." Die Verantwortung zur Eindämmung des Infektionsgeschehens von politischer Seite aber in die Hände des Einzelnen zu legen - eine Strategie, die die Bundesregierung laut dem Forscher im heurigen Sommer gefahren ist -, "hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich im Herbst zu wenige Menschen an die Präventionsmaßnahmen gehalten haben - mit den bekannten Folgen."

(APA)