US-Notenbank wirft die Notenpresse an

Fed Notenbank Bernanke
Fed-Chef Ben Bernanke(c) REUTERS (Kevin Lamarque)

Die Fed kauft Staatsanleihen im Wert von 600 Milliarden Dollar, um den Arbeitsmarkt zu beleben. Weitere Wertpapierkäufe schließt die Leitung der US-Notenbank nicht aus. Experten befürchten bereits eine Deflation.

[Wien/Reuters/Dj] Alle Augen waren auf Ben Bernanke gerichtet. Am Mittwochabend gab der Chef der US-Notenbank Fed schließlich bekannt, worüber seit Tagen spekuliert worden war: Die Fed wird den Geldhahn erneut aufdrehen. Bis Mitte 2011 will die US-Zentralbank Staatsanleihen im Wert von 600 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 428 Milliarden Euro) kaufen. Zusätzlich sollen Papiere, die bereits der Fed gehören, aber auslaufen, durch neue ersetzt werden. Damit belaufen sich die Anleihenkäufe in Summe auf 850 bis 900 Milliarden Dollar.

Der Offenmarktausschuss (der zwölfköpfige Ausschuss der Fed) begründete seine Entscheidung mit der enttäuschenden Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Dadurch nehme auch der private Konsum nur schwach zu. Die Fed ist darüber hinaus bereit, die Anleihenkäufe weiter aufzustocken, sollte sich die Wirtschaft weiter schwach entwickeln: „Der Ausschuss wird das Tempo der Wertpapierkäufe und den Umfang des Kaufprogramms regelmäßig überprüfen und das Programm entsprechend anpassen", hieß es am Mittwochabend in der Erklärung. Damit soll maximale Beschäftigung und Preisstabilität erreicht werden.

Den Leitzins beließen die Notenbanker - wie erwartet - bei null bis 0,25 Prozent. Die Zinsen würden noch sehr lange extrem niedrig bleiben, sagte Bernanke. Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 hatte die Fed den US-Leitzins auf fast null Prozent heruntergeschraubt. In Summe kaufte sie für mehr als 1700 Mrd. Dollar Anleihen, davon entfielen rund 300 Mrd. Dollar auf Staatsanleihen.

Experten befürchten Deflation

Mit ihrer Politik des billigen Geldes stemmt sich die Fed gegen die verhältnismäßig schlechten Konjunkturdaten: Die Arbeitslosenquote liegt bei 9,6 Prozent, für US-Verhältnisse relativ hoch. Kurz vor der Bekanntgabe der Fed-Entscheidung wurden Zeichen einer leichten Verbesserung sichtbar: Die Privatwirtschaft baute im Oktober 43.000 neue Arbeitsplätze auf, wie aus einem Bericht der Arbeitsagentur ADP hervorgeht. Experten hatten mit nur halb so vielen neuen Jobs gerechnet.
Auch die Auftragslage der Industrie zog im September an: Die Bestellungen legten um 2,1 Prozent im Vergleich zu August zu und übertrafen damit ebenfalls die Erwartungen der Experten.

Aber nicht nur die Arbeitslosigkeit, sondern auch die Inflation macht der Fed zu schaffen. Sie ist derzeit so niedrig wie seit den 1960er Jahren nicht mehr. Im dritten Quartal betrug die Kerninflation (ohne Nahrungs- und Energiepreise) 0,8 Prozent. Experten befürchten bereits, die USA könnten in eine Deflation abrutschen. Fallende Preise können zu einem Nachfragerückgang führen, weil Konsumenten auf weiter sinkende Preise setzen und Kaufentscheidungen aufschieben.

Der Dollar gab nach Bekanntgabe der Fed-Entscheidung etwas nach, der US-Leitindex Dow Jones drehte nach anfänglichen Verlusten leicht ins Plus.

EZB wird eher abwarten

Nach der Fed werden diese Woche auch andere bedeutende Notenbanken ihre Strategie bekannt geben. Am Donnerstag ist die britische Zentralbank an der Reihe - Experten rechnen nicht mit entscheidenden Eingriffen. Auch von der EZB wird erwartet, dass sie ihre abwartende Haltung beibehält. Die Bank of Japan tagt ab heute: Experten halten es für möglich, dass Japan Anleihenkäufe vorziehen könnte, um den Yen gegen die weiter gelockerte Geldpolitik der USA zu verteidigen.