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Colin in Black and White
Empfehlungen

Diese Serien haben uns 2021 begeistert

Wunderheilungen und halbnackte Krieger mit seltsamem Humor, ein Kniefall und ein (anderes) Virus: 14 Serien, die die „Presse"-Rezensenten heuer überzeugt haben.

It’s a sin

Zu sehen im Amazon-Zusatzkanal Starzplay

„Gay Cancer“, was soll das sein, fragt Ritchie kokett in die Runde. Wie soll Krebs schwul sein, ist er dann pink, sitzt er im Handgelenk? Die britische Serie „It's a Sin“ zeigt, wie ein Freundeskreis von der Aids-Epidemie erfasst wird. Der verschmitzte Schauspieler Ritchie. Der quirlige Roscoe, dessen Vater ihn zur Umpolung nach Nigeria schicken wollte. Schneiderlehrling Colin, Ash – und Jill, die alle zusammenhält. Im Flug über die Jahre zeigt die Serie, wie die Freunde zu einer Familie werden, das Großstadtleben mit viel Sex und wilden Partys genießen. Die Tragödien, die sich anbahnen, erahnt der Zuschauer schon vor den Figuren.

Ted Lasso

Zu sehen auf Apple TV

Eine Serie um einen Coach, der trotz fehlender Erfahrung ein Fußball-Team in England trainieren soll. Und die raue Sportwelt mit radikaler Freundlichkeit und Menschenliebe auf den Kopf stellt. Hier wird nicht mit jeder Pistole, die an der Wand hängt, auch geschossen. Hier fehlen auch die sonst oft allzu genüsslich ausgespielten peinlichen Momente. Die Serie weigert sich, in jedem Zwischenfall ein Drama zu sehen.

Colin in Black and White

Zu sehen auf Netflix

Bei den Zuschauern ist „Colin in Black and White“ umstritten – vielleicht, weil sie ein Gefühl dafür vermittelt, wie es ist, ein schwarzer Jugendlicher in Amerika zu sein. Und das ist nicht schmeichelhaft für die (weiße) Zuschauerschaft. Im Zentrum der Miniserie steht Football-Star Colin Kapernick, der beim Abspielen der US-Hymne auf die Knie ging und damit zum Aktivisten der „Black Lives Matter“-Bewegung wurde. Ist das Doku oder Fiction? Regisseurin Ava DuVernay sind solche Genregrenzen egal. Die Mischung aus nachgespielter Geschichte, die immer wieder unterbrochen wird von Kapernick selbst, der Historisches erzählt und einordnet, dürfte Schule machen.

Midnight Mass

Zu sehen auf Netflix

Horror, angesiedelt im Kreis von Gläubigen: Ein junger Priester vom Festland (meisterhaft: Hamish Linklater) lockt mit Wunderheilungen und der realistischen Aussicht auf ein Leben nach dem Tod eine Inselgemeinde ins Verderben. Die Serie konzentriert sich auf den übersehenen Horror in der Heiligen Schrift und die Unheimlichkeit des Gottesdienstes, bei dem man immerhin den Leib und das Blut des gemarterten Heilands in sich aufnimmt.

Maid

Zu sehen auf Netflix

Armut, Gewalt und die grenzenlose Liebe zum Kind, die sich in sonnendurchfluteten Bildern immer wieder in den Vordergrund drängt: Zwischen diesen Polen bewegt sich die Serie „Maid“, die auf einem Bestseller der US-Autorin Stephanie Land basiert. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Mutter (auf stille Weise kämpferisch: Margaret Qualley), die von ihrem Partner flüchtet und als unterbezahlte Putzfrau versucht, ihr Kind durchzubringen. Unterstützung findet sie kaum, weder staatliche noch familiäre (großartig: Andie MacDowell als manische, erfolglose Künstlerin und Großmutter). Hier wird Armut nicht romantisiert: Die Miniserie beleuchtet schlicht ein Leben mit Niederlagen. Und dann auch Triumphen.

The White Lotus

Zu sehen auf Sky

Serien über reiche Leute gibt es sicher nicht zu wenige, aber kaum eine behandelt Privileg und Anspruchsdenken so scharf, so raffiniert, so witzig wie die sechsteilige Satire „The White Lotus“. Dabei sind die Menschen, deren Urlaub im titelgebenden hawaiianischen Luxusresort geschildert wird, gar nicht extrem reich. Was sie eint, ist ihre Überzeugung, dass ihnen alles zusteht. Die Serie nimmt die fehlende Bodenhaftung ihrer Protagonisten aufs Korn, ohne diese als grelle Unsympathler vorzuführen.

Reservation Dogs

Zu sehen auf Disney+
 
Zu seiner Zeit, sagt der reitende Indianer mit der Feder im Haar, habe man für sein Volk gekämpft, sei für sein Land gestorben. "Was machst du für dein Volk?", fragt er den verdutzten Teenager Bear - und beginnt wiehernd zu kichern. Haha, nur Spaß! Der halbnackte Krieger mit dem seltsamen Humor ist nur eine Eingebung, die Bear etwa dann erscheint, wenn er wieder einmal von einer verfeindeten Straßenbande vermöbelt wurde, aber er scheint einen wunden Punkt zu treffen. In acht Folgen erzählt die exzellente US-Serie "Reservation Dogs" von vier Freunden, die in einem Reservat für Native Americans im ländlichen Oklahoma leben - und mit kleinkrimineller Energie ihren Ausbruch aus diesem perspektivlosen Ort planen. Für die Reise ins verheißungsvolle Kalifornien braucht es schließlich Geld. Fazit: Eine schöne Mischung aus Melancholie und absurder Komik.

Mare of Easttown

Zu sehen auf Sky

Eine trostlose Stadt, traurige Familienverhältnisse und eine spannende Krimihandlung: Kate Winslet brilliert in Jeans und Karohemd als Kleinstadtpolizistin mit vielen offenen Wunden. Als eine junge Mutter ermordet aufgefunden wird, bekommt sie unfreiwillig Unterstützung von einem namhaften Detective: Evan Peters gibt den smarten jüngeren Partner der frustrierten Ermittlerin.

Squid Game

Zu sehen auf Netflix

Sie wurde zum globalen Popkultur-Phänome: Die südkoreanische Show „Squid Game“ ist jedenfalls die breitenwirksamste Serie des Jahres 2021. Angeblich sollen sogar recht junge Kinder Sequenzen nachspielen, was angesichts der Grausamkeiten bedenklich stimmen muss. Es geht um 456 Menschen, die Geld brauchen oder nichts zu verlieren haben und sich (mehr oder weniger freiwillig) auf eine Insel verschleppen lassen. Und dort Teil eines tödlichen Wettbewerbs werden, dessen Regelwerk sich bei harmlosen Kinderspielen bedient. Den Gewinnern winkt ein Millionenpreis.

Ich und die anderen

Zu sehen auf Sky

Aus Österreich bleibt 2021 vor allem eine Serie von David Schalko in Erinnerung, in der Tom Schilling jede Folge eine neue Wirklichkeit ausprobiert: Die Hauptfigur trägt Tristan steigt in ein Taxi, das niemand gerufen hat. Der Fahrer (Ramin Yazdani) gibt sich auf mysteriöse Weise diensteifrig: Offenbar kann er Wünsche erfüllen. Ab geht die Fahrt der Fantasie! Ihr Kurs folgt weniger einer klassischen Handlungslogik, eher den assoziativen Sprüngen eines anregenden Selbstgesprächs. Ein bisschen wie in Schalkos selbstreflexiver ORF-Bewusstseinsstromshow „Sendung ohne Namen“, nur mit mehr Budget und Schauspielstars wie Mavie Hörbiger, Sophie Rois und Lars Eidinger.



Die Ibiza Affäre

Zu sehen auf Sky

Gefühlt ist die Ibiza-Affäre schon ewig her, zu viele Skandale haben seitdem die österreichische Innenpolitik erschüttert. Und doch ist sie Wurzel für einen Teil des Misstrauens, das der Politik nun entgegenschlägt. Umso erstaunlicher ist, wie banal die Entstehung dieses explosiven Videos eigentlich vonstatten ging – so wird es jedenfalls in der Serie erzählt. Diese Entstehung hat etwas von einer Mutprobe unter Besoffenen, der sich Privatdetektiv Julian H. (Nicholas Ofczarek) und Anwalt Ramin M. (David A. Hamade) stellen. Obwohl man weiß, dass es geklappt hat, ist es nervenaufreibend zuzusehen, wie die beiden Johann Gudenus (Julian Looman) und in der Folge Heinz-Christian Strache (Andreas Lust) in die Falle locken. Und sich – auf gut Deutsch – in die Hose machen, ehe sie das Video an die Medien weitergeben. Exzellent gespielt und gut inszeniert. Eine Serie für die Geschichtsbücher.

Scenes of a Marriage

Zu sehen auf Sky

Den vielleicht wichtigsten Film über die bürgerliche Ehe, Ingmar Bergmans "Szenen einer Ehe", einem Remake zu unterziehen und zu fragen, wie es um so ein Mittelschichtpaar im Jahr 2021 bestellt sein könnte - das ist verwegen. Diesen Mut hatte der viel gepriesene israelische Serienregisseur Hagai Levi. Und man staunt tatsächlich, wie gut es ihm in der Miniserie "Scenes from a Marriage" gelingt: Sie macht Karriere, als Produktmanagerin eines Tech-Konzerns. Er ist Philosophiedozent und kümmert sich um die vierjährige Tochter. Doch das allein verändert noch lange nicht die inneren Strukturen - einer Frau, eines Mannes, einer Partnerschaft. Hier ist es auch die besser verdienende Mira, frustriert als Partnerin und Mutter, die die eheliche Treue aufkündigt. Ein überraschend subtiles Remake, fabelhaft gespielt.

Die Schlange

Zu sehen auf Netflix

Ein gut organisierter Serienmörder auf der einen, vertrauensselige Hippies auf der anderen Seite: Das Spiel ist leicht für Charles Sobhraj. Viele langhaarige Rucksacktouristen tappen ihm (und später seiner Partnerin) in die Falle, die übrigens tatsächlich existierte: „Die Schlange“ fiktionalisiert die Verbrechen des Mannes, der auch als „Bikinimörder“ bekannt wurde und in den 1970ern in Südostasien mordete. Die Szenerie hat einen ebenso großen Reiz wie die Jagd eines Diplomaten auf den Mörder: Belebte Städte wechseln sich mit malerischen Wasserfällen und den Bergen Nepals ab. Die Schauplätze liegen entlang des sogenannte Hippie Trails, einer damals beliebten Route mit Stationen vom Iran und weiter über Afghanistan und Indien bis nach Thailand.

The Expanse

Zu sehen auf Amazon Prime

Schon wieder „The Expanse“? Ja, schon wieder – und zum letzten Mal, versprochen, denn die nun gestartete sechste Staffel ist die letzte. Sie beweist einmal mehr, dass keine andere Science-Fiction-Serie mit dieser mithalten kann. Keine ist so vielschichtig. „The Expanse“ ist ein Sozialdrama, das davon erzählt, wie die Ränder der Galaxis von der reichen Erde ausgebeutet werden – und wie Terrorismus als Freiheitskampf verstanden werden kann. Sie führt in neue (erfundene) Welten – und lässt einen ahnen, welche Probleme dabei entstehen. Und das alles mit einer tiefen Liebe für ihre Charaktere, die diesen Begriff verdienen.