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Studie

Hat ein Hip-Hop-Hit die Suizidrate gesenkt?

Der Rapper Logic ist der Sohn eines Afroamerikaners aus Maryland und einer weißen Amerikanerin.
Der Rapper Logic ist der Sohn eines Afroamerikaners aus Maryland und einer weißen Amerikanerin.(c) imago/PanoramiC (imago stock&people)
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Der Erfolg des Songs "1-800-273-8255" von Rapper Logic soll in den USA einen Suizidrückgang von 5,5 Prozent mit sich gebracht haben.

Mediale Darstellungen können bei Suiziden zu Nachahmungen führen, sie aber auch verhindern. Letzteres besagt eine Studie von Thomas Niederkrotenthaler am Zentrum für Public Health der MedUni Wien, die im "British Medical Journal" erschien: Demnach besteht ein Zusammenhang des Erfolges des Hip-Hop-Hits "1-800-273-8255" von Rapper Logic und einer Verringerung der Suizidrate in den USA. 5,5 Prozent weniger Menschen begingen im Beobachtungszeitraum Selbstmord.

Das Lied aus dem Jahr 2017 - das sich wochenlang in den Top 3 der US-Charts hielt und auch bei den MTV Video Music Awards und den Grammy Awards aufgeführt wurde - handelt von einem jungen schwarzen und homosexuellen Mann, der seinem Leben nach Diskriminierung und Zurückweisung ein Ende setzen will. Schließlich wählt er aber doch die Nummer der US-Suizidpräventionshotline "National Suicide Prevention Lifeline" und bekommt Hilfe.

Mehr Anrufe bei Hotline - und weniger Selbstmorde

Gemeinsam mit Forschern und Forscherinnen aus Wien, New York, Toronto, Atlanta und Melbourne untersuchte Niederkrotenthaler Social-Media-Beiträge im Zusammenhang mit dem Lied sowie die Zahl der Anrufe bei der US-Suizidpräventionshotline. Innerhalb von 34 Tagen wurden 9.915 Anrufe und damit 6,9 Prozent mehr Kontakte von Hilfesuchenden bei der "National Sucide Prevention Lifeline" verzeichnet. Gleichzeitig gab es 245 Suizide - 5,5 Prozent - weniger.

Bisher habe es kaum mediale Darstellungen mit ausreichender Verbreitung gegeben, um sichtbar machen zu können, dass Erzählungen von Menschen, die suizidale Krisensituationen bewältigt haben, die Suizidalität verringern können, sagte Niederkrotenthaler in einer Aussendung. "Mit Hilfe unserer Analyse konnten wir erstmals zeigen, dass kreative Zusammenarbeit zwischen Unterhaltungsindustrie und Suizidprävention effektiv sein kann, um gerade vulnerable Menschen in suizidalen Krisensituationen dazu anzuregen, Hilfe zu suchen, und Suizide zu verhüten." Medien sollen dem Forscher zufolge durch die Darstellung von Krisenbewältigung zur Suizidprävention beizutragen.

Es gibt eine Reihe Hilfseinrichtungen und Anlaufstellen für Menschen in akuten Krisensituationen. Unter www.suizid-praevention.gv.at findet man Notrufnummern und Erste Hilfe bei Suizidgedanken.

 

Telefonische Hilfe gibt es auch bei:

 

Kriseninterventionszentrum (Mo-Fr 10-17 Uhr): 01/406 95 95, kriseninterventionszentrum.at
Rat und Hilfe bei Suizidgefahr 0810/97 71 55
Psychiatrische Soforthilfe (0-24 Uhr): 01/313 30
Sozialpsychiatrischer Notdienst 01/310 87 79
Telefonseelsorge (0-24 Uhr, kostenlos): 142
Rat auf Draht (0-24 Uhr, für Kinder & Jugendliche): 147
Gesprächs- und Verhaltenstipps: bittelebe.at

 

Hilfe für Menschen mit Suizidgedanken und Angehörige bietet auch der Verein „Bleib bei uns“. www.bleibbeiuns.at

(APA)