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Quergeschrieben

Die Linke und die „Diktatur der vielen Namen“

Es empfiehlt sich, Rudolf Burger zu lesen. Besonders jetzt, da Österreich wieder einmal von einem „antifaschistischen Karneval“ heimgesucht wird.

Beginnend mit der Machtergreifung Benito Mussolinis 1922 in Italien, kollabierten in der Zwischenkriegszeit der Reihe nach parlamentarische Regime: Spanien 1923, Portugal, Polen, Griechenland und Litauen 1926, Jugoslawien 1929, Deutschland und Österreich 1933. An ihre Stelle traten rechtsgerichtete nationalistische Diktaturen unterschiedlicher Ausprägung und Radikalität. Der amerikanische Historiker Stanley G. Payne, ein Experte auf dem Gebiet der vergleichenden Faschismusforschung, sieht in Österreich den „vielleicht klarsten Fall“ eines autoritären Nationalismus: „Eine gemäßigte rechte autoritäre Gruppierung, die Christlich Soziale Partei; eine radikalere, offen autoritäre und gewalttätige rechte Gruppierung, die Heimwehren; und revolutionäre Nationalisten in der Form der österreichischen Nazis.“ Die österreichische Variante der europäischen Diktaturen verband faschistische Elemente italienischen Typs mit konservativ-katholischen, theokratischen Elementen, die mehr mit Spanien und Portugal gemeinsam hatten.

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Dennoch war es ausgerechnet Österreich, das – im Gegensatz zu den westlichen Demokratien – die Bedrohung durch Hitlerdeutschland erkannte und sich zur Wehr setzte. Die Nazis ermordeten Dollfuß, aber der Putschversuch schlug fehl. Erst fünf Jahre später wich das kleine Österreich der Gewalt. Kommunisten und Dollfuß-Anhänger standen in der ersten Reihe des antinazistischen Widerstands. Rudolf Burger nannte es einen „schweren moralischen Defekt“, dass dieser Widerstand „aus parteipolitischen Gründen in Österreich bislang nicht die ihm gebührende Würdigung fand“. Die konservative Diktatur werde heute sogar „von einem ethisch verwahrlosten Moralismus als Vorläufer eben jenes massenmörderischen Terrorregimes denunziert, gegen das sie sich verzweifelt richtete“.