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Alltagsflucht

Pandemie sorgt für Videospiele-Hype in Österreich

Während der Kontaktbeschränkungen haben viele zu Handy, Controller und Co. gegriffen (Archivbild).
Während der Kontaktbeschränkungen haben viele zu Handy, Controller und Co. gegriffen (Archivbild).(c) REUTERS (Benoit Tessier)
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Sowohl die Anzahl der Nutzer, als auch die individuelle Spieldauer hat sich während der Corona-Pandemie in Österreich vergrößert. Immer mehr Frauen und vor allem auch Ältere beschäftigen sich mit Videospielen.

Sieben von zehn Österreichern spielen mittlerweile Videospiele – das hat eine Studie der GfK-Marktforschung im Auftrag des Österreichischen Verbands für Unterhaltungssoftware (Övus) unter 3008 Gamern ergeben. Ein Drittel davon zockt zumindest einmal die Woche. Insgesamt sind das 5,3 Millionen Menschen, die mehrmals die Woche zu Controller, Smartphone oder Tastatur greifen. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich die Spieldauer um ein Viertel gesteigert. Die Anzahl der Spielenden bleibt somit im Vergleich zu den Vorstudien auf einem „ingesamt sehr stabilen hohen Wert“, wie Studienleiter Christoph Zeh bei der Präsentation der Umfrage-Ergebnisse am Dienstag erläuterte.

Seit 2017 zeigt sich aber nicht nur ein starker Anstieg bei der Anzahl der Spieler, sondern vor allem bei der Spieldauer. Diese hat sich in den vergangenen zwei Jahren auf 12,9 Stunden pro Woche erhöht. Vor vier Jahren waren es noch 10,3 Stunden in der Woche, seit 2019 hat es eine Steigerung von 1,5 Stunden gegeben. Der Anstieg ist auf allen Spiele-Plattformen zu verzeichnen, besonders zugelegt hat aber die Spielzeit auf TV-Konsolen. Nutzer verbrachten hier im Jahr 2021 durchschnittlich 7,5 Stunden pro Woche. Gespielt wird also nicht nur häufiger, sondern vor allem auch länger.

Stimmungsaufheller im Corona-Alltag

Ein großer Faktor bei diesem Zuwachs war die Coronapandemie. 45 Prozent der Befragten geben an, während der Lockdowns mehr Zeit zum Spielen gehabt zu haben, als unter „normalen“ Umständen. Videospiele waren während der letzten Jahre für viele eine willkommene Abwechslung vom Alltag. 42 Prozent der Nutzer geben an, in Videospielen eine Ablenkung gefunden zu haben, die ihnen durch die Pandemie geholfen hat. Auch die Stimmung hat sich bei vielen Spielenden gehoben. 35 Prozent der Befragten sagen, ihre Laune habe sich durch die Ausflüge in virtuelle Welten verbessert.

Ein Viertel der Studienteilnehmer gibt außerdem an, über Onlinespiele während der Kontaktbeschränkungen den Kontakt zu Freunden gehalten zu haben. Ein weiterer Beweis dafür, dass Gaming „auch etwas Soziales sein kann und nicht allein im dunklen Zimmer stattfinden muss“, sagt Christoph Zeh. Team-Spiele wie „Among Us“, das schon während der ersten Coronawelle geboomt hat, haben häufig dafür gesorgt, dass sich Menschen erstmals mit Videospielen beschäftigt haben. Ganze 14 Prozent sind während der Pandemie zum ersten Mal mit Spielen in Kontakt gekommen. 37 Prozent der ehemaligen Zocker haben während der letzten beiden Jahre erneut zu Spielen begonnen.

Populärstes Gaming-Device war im Studienzeitraum mit Abstand das Handy. „Das kurze Spiel unterwegs, in der U-Bahn, am Weg zur Arbeit, gehört für viele Menschen einfach zum Alltag“, meint der Studienleiter. 3,4 Millionen Österreicher spielen mittlerweile am Smartphone, das entspricht 43 Prozent aller regelmäßigen Spieler. Nach dem Handy sind Konsolen wie X-Box oder Playstation die zweitbeliebtesten Geräte, die regelmäßig von 28 Prozent der Spielenden genutzt werden – insbesondere von den Jüngeren. Danach folgen PCs mit 26 und Tablets mit 16 Prozent. „Handheld“-Geräte wie die Nintendo Switch bilden mit nur 7 Prozent das Schlusslicht.

„Videospielen ist kein Männerhobby mehr“ 

Bei der demografischen Verteilung zeigt sich, dass Zocken schon lange nicht mehr nur jungen Männern vorbehalten ist. Die Geschlechterverteilung unter den Spielern ist mittlerweile fast gleich. 48 Prozent sind Frauen und 52 Prozent Männer. Auch die ältere Generation hat sich durch das Smartphone vermehrt Videospielen zugewandt und sogar den größten Zuwachs zu verzeichnen. Handy-Spiele wie Candy Crush erfreuen sich besonders in dieser Altersgruppe einer großen Beliebtheit. Jede zweite Person über 50 Jahren nutzt mittlerweile das Handy zum Spielen. Am aktivsten sind trotzdem immer noch junge Menschen zwischen zehn und 15 Jahren. Über 90 Prozent von ihnen spielen mehrmals die Woche. Das Durchschnittsalter der österreichischen Gamer liegt mittlerweile bei 36 Jahren.

Obwohl es mittlerweile viele Möglichkeiten gibt, Videospiele online zu kaufen, bevorzugt ein Viertel aller Spielenden weiterhin das physische Produkt. Hintergründe dafür könnten etwa Geschenkanlässe wie Geburtstage oder Weihnachten sein, an denen man gerne etwas zum Einpacken hat. 13 Prozent geben allerdings an, mit digitalen Produkten gut bedient zu sein, bei den Altersgruppen besteht dahingehend kein Unterschied. Seit 2017 ist die Tendenz zum Digitalen altersübergreifend steigend, davor war es noch genau andersherum.

Övus-Präsident Niki Laber freut sich, mit der aktuellen Studie zeigen zu können, dass Videospiele „einen konkreten und positiven Impakt auf die Menschen haben“ und etwas für jeden, „vom Enkelkind bis zu den Großeltern“ sind. Hinsichtlich der Prognosen sind sich die Experten sicher, dass es noch Luft nach oben gibt. Da das steigende Interesse an der Thematik bereits vor der Pandemie zu verzeichnen war, wird in jedem Fall mit einem weiteren Anstieg der Zahlen gerechnet. Insbesondere bei weiteren Lockdowns und Kontaktbeschränkungen werden Videospiele höchstwahrscheinlich auch in nächster Zeit weiterhin genutzt werden, um dem Alltag zu entfliehen.

Infografik "Gaming in Austria" 2021
Infografik "Gaming in Austria" 2021Österreichischer Verband für Unterhaltungssoftware

(vahe)