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Klimawandel

2020 brachte Rekordtemperaturen in Arktis und Antarktis

Archivbild vom 21. September vom Nordenskjöld-Gletscher auf der norwegischen Insel Südgeorgien.
Archivbild vom 21. September vom Nordenskjöld-Gletscher auf der norwegischen Insel Südgeorgien.APA/AFP/OLIVIER MORIN
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38 Grad wurden am 20. Juni 2020 in Sibirien gemessen - nicht der einzige Rekord. Forscher warnen auch in der Antarktis vor einem "dramatischen Wandel" am gigantischen Gletscher namens „Doomsday“.

In der Arktis ist mit 38 Grad im vergangenen Jahr ein Temperaturrekord gemessen worden. Die Weltwetterorganisation (WMO) erkannte die Messung vom 20. Juni 2020 in Sibirien als Rekord für die Region nördlich des Polarkreises an, wie sie am Dienstag in Genf mitteilte. Das sei ein Anzeichen für den Klimawandel und lasse die Alarmglocken läuten, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas.

Die Temperaturen in der Arktis sind mehr als doppelt so stark gestiegen wie im globalen Durchschnitt. Auch in der Antarktis, am entgegengesetzten Pol, wurde 2020 ein Rekord gemessen: 18,3 Grad. Die WMO führt das Register solcher Rekorde. Sie prüft vor der Aufnahme stets, mit welchen Instrumenten und unter welchen Bedingungen gemessen wurde, um unzuverlässige Messungen oder außergewöhnliche Umstände auszuschließen.

Jede Menge Temperatur-Rekorde

Den Temperaturrekord in Sibirien hatte die seit 1885 betriebene meteorologische Beobachtungsstation in Werchojansk während einer beispiellosen Hitzewelle 2020 gemeldet. Die Station liegt 115 Kilometer nördlich des Polarkreises. Damals lagen die Temperaturen in der Region rund zehn Grad über dem langfristigen Durchschnittswert. Das führte zu verheerenden Waldbränden und einer großen Meereis-Schmelze. 2020 war eines der drei wärmsten Jahre, verglichen mit dem Durchschnitt von 1850 bis 1900.

Die WMO-Experten untersuchen zur Zeit drei weitere Rekorde, berichtete die Organisation. Zwei Messungen von 54,4 Grad in diesem und im vergangenen Jahr stammen vom heißesten Ort der Welt, dem Death Valley im US-Bundesstaat Kalifornien. Eine dritte von 48,8 Grad wurde im Sommer 2021 in Sizilien gemessen. Das Team habe noch nie so viele Untersuchungen zu Temperatur-Rekorden gleichzeitig geführt.

Gletscher schmelzen weiter

Die Folgen der Erderwärmung sind in der Antarktis bereits zu spüren: Forscher eines britisch-amerikanischen Projekts haben vor einem "dramatischen Wandel" an einem gigantischen Gletscher gewarnt. Bereits innerhalb von weniger als zehn Jahren könne ein auf dem Meer schwimmender Teil an der Vorderseite des Gletschers "zersplittern wie die Windschutzscheibe eines Autos", warnte der leitende US-Glaziologe Ted Scambos von dem Projekt International Thwaites Glacier Collaboration (ITGC) im Gespräch mit der BBC. Sowohl veröffentlichte als auch noch unveröffentlichte Studien deuteten dies an, fuhr der Forscher fort. Grund dafür sei warmes Wasser, das unter den Gletscher gelange.

Der Thwaites-Gletscher, der auch als "Doomsday Glacier" (Gletscher des Jüngsten Gerichts) bezeichnet wird, liegt in dem als Marie-Byrd-Land bezeichneten westlichen Teil der Antarktis. Das Eisfeld erstreckt sich über eine Fläche von der Größe des US-Bundesstaats Florida. Sollte das gesamte Eis im Einzugsgebiet des Gletschers eines Tages schmelzen, würde das den Meeresspiegel um bis zu 65 Zentimeter steigen lassen, wie die BBC berichtete. Mit diesem Szenario, auf das sich die Bezeichnung mit dem Jüngsten Gericht bezieht, wird aber erst in mehreren Jahrhunderten gerechnet. Die Menge an Eis, die den Gletscher verlässt, hat sich nach Angaben der Forscher in den vergangenen 30 Jahren allerdings verdoppelt.

(APA/dpa)