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Der ökonomische Blick

Mit einem Klima-Label zu nachhaltiger Ernährung?

Vegetarische Currywurst: Wie kann die Politik unsere Ernährung beeinflussen?
Vegetarische Currywurst: Wie kann die Politik unsere Ernährung beeinflussen?REUTERS
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Unser Lebensmittelsystem ist für etwa 25 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Wie eine „Nachhaltigkeits-Ampel“ sich auf unser Konsumverhalten auswirkt, zeigt ein Feldexperiment.

Unsere Ernährung hat einen beachtlichen Einfluss auf die Umwelt und das Klima. Rund 15 bis 20 Prozent der CO₂-Pro-Kopf Emissionen werden in Österreich alleine durch den Verzehr von Nahrungsmitteln, besonders von Fleisch, verursacht. Studien zeigen, dass eine Klima- oder CO₂-Kennzeichnung von Lebensmitteln und Speisen eine nachhaltige Ernährung unterstützen kann.

Unser Lebensmittelsystem ist für etwa 25 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Modellrechnungen legen nahe, dass selbst bei einem sofortigen Stopp von Emissionen fossiler Brennstoffe die derzeitigen Trends im globalen Ernährungssystem das Erreichen des 1,5°C-Ziels des IPCC verhindern und bis zum Ende des Jahrhunderts sogar das Erreichen des 2°C-Ziels gefährden würden. Studien zeigen auch, dass eine Umstellung auf eine Ernährung mit geringerem CO₂-Fußabdruck, das Potenzial hat, die Emissionen deutlich zu senken und die Umweltbelastung zu verringern.

Da ernährungsbedingten Emissionen weitgehend nachfrageorientiert sind, können politische Maßnahmen, die auf die Steuerung der Nahrungsmittelnachfrage von Konsumenten abzielen, somit einen wichtigen Beitrag leisten, um den Klimawandel einzudämmen.

Jede Woche gestaltet die „Nationalökonomische Gesellschaft" (NOeG) in Kooperation mit der "Presse" einen Blog-Beitrag zu einem aktuellen ökonomischen Thema. Die NOeG ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung der Wirtschaftswissenschaften.

Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der „Presse"-Redaktion entsprechen.

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Steuern oder Information?

Ein ökonomisches Instrument, welches die Nachfrage nach Lebensmitteln mit hohen Emissionen reduzieren würde, ist eine viel diskutierte Fleischsteuer. Der CO₂-Fußabdruck von Fleisch und tierischen Produkten ist im Vergleich zu anderen Lebensmitteln sehr groß. Eine solche Steuer könnte Umweltkosten von Fleischproduktion- und konsum direkt einpreisen und den Verbrauchern einen wirtschaftlichen Anreiz geben, Ihre Ernährung zu ändern. Allerdings stoßen Fleischsteuern in der politischen Praxis oft auf heftigen Widerstand, da sie bei Konsumenten und Wählern nicht sehr beliebt sind.

Eine weitere Möglichkeit ist es, zusätzliche Information bereitzustellen, insbesondere über die Umweltauswirkungen von Produkten, um Nachfrageänderungen herbeizuführen, ohne dabei die wirtschaftlichen Anreize wesentlich zu ändern. Sogenannte Umweltkennzeichnungen oder Labels welche Konsumente über die Umweltbelastung von Produkten informiert gibt es bereits in mehreren Bereichen. Ein bekanntes Kennzeichen ist das EU-Energielabel, welche die Energieeffizienz von Elektrohaushaltsgeräten ausweist. Auch im Lebensmittelbereich sind solche Kennzeichnungen ebenfalls bereits weit verbreitet, sowie unter anderem das bekannte EU-Bio-Label für biologisch erzeugte Lebensmitteln. Etwas weniger verbreitet sind Labels, welche den CO₂-Fußabdruck ausweisen und somit einen Hinweis geben, wie klimaschädlich ein Produkt ist.

Während es bereits Initiativen aus der Privatwirtschaft gibt solche Labels für Nahrungsmittel einzuführen, z. B. hat die britische Supermarktkette Tesco in einem Pilotprojekt viele seiner Produkte mit einem Klimalabel versehen, wissen wir noch sehr wenig darüber, ob eine CO₂-Kennzeichnung die Kaufentscheidung von Konsumenten auch nachhaltig beeinflusst.

Feldexperiment zur Analyse der Wirksamkeit einer CO₂-Kennzeichnung

In mehreren Universitätscafetarias der Universität Cambridge in Großbritannien haben wir ein CO₂-Kennzeichnungssystem auf warme Speisen mit Hilfe eines Feldexperimentes getestet. Das von britischen Designer mitentwickelte Label glich einer Ampelkennzeichnung welche leicht verständlich den CO₂-Fußabdruck eines Menüs auswies: besonders klimafreundliche Menüs wurden mit grün gekennzeichnet, besonders klimabelastende Menüs wurden mit rot ausgewiesen. Zusätzlich dazu haben wir in den teilnehmenden Cafetarias Plakate angebracht, auf denen das neue Kennzeichnungssystem und die Klimaauswirkungen der verschiedenen Speisen erläutert wurden.

Die Ergebnisse haben wir vor allem anhand des Umsatzanteils von Fleisch- und Fischgerichten, welche im Durchschnitt klimabelastende Gerichte sind, und vegetarische und vegane Gerichten, welche sich durch einen besonders geringen CO₂-Fußabdruck auszeichnen, gemessen. Das Feldexperiment wurde zeitlich in zwei Abschnitte unterteilt: das erste Semester (Winter Semester) dient als Vergleichszeitraum, während das anschließende zweite Semester (Frühjahrs Semester) dafür genutzt wurde, die CO₂-Kennzeichnung einzuführen. Insgesamt beobachten wir mehr als 80.000 individuelle Kaufentscheidungen in den Cafetarias.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Kennzeichnung des CO₂-Fußabdrucks einen statistisch signifikanten, wenn auch nicht sehr großen Effekt auf die Auswahl von Gerichten hat. Wir finden, dass die CO₂-Kennzeichnung den Absatz von Fleisch- und Fischgerichten um ca. zwei Prozent verringert und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit ein vegetarisches oder veganes Menü zu wählen um zwei Prozent erhöht. Ein weiterer wichtiger Indikator für die Beurteilung der Wirksamkeit der CO₂-Kennzeichnung ist die Bewertung der möglichen Emissionsminderung. Unsere Daten ermöglichen es uns, die durchschnittliche Emissionsreduktion pro 100-Gramm-Portion direkt zu schätzen.

Wir finden, dass die CO₂-Kennzeichnung den durchschnittlichen Fußabdruck einer servierten Portion um fünf Prozent verringert. Somit konnten innerhalb eines Semesters in den teilnehmenden Cafetarias über zwei Tonnen CO₂ eingespart werden.

Fazit

Unsere Studie deutet darauf hin, dass eine CO₂-Kennzeichnung, welche über die Umweltauswirkungen von Speisen in Restaurants informiert, die Wahl der Konsumenten in eine umweltfreundliche Richtung lenkt und somit ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Ernährungspolitik sein kann. Weitere Studien sollten die Verwendung und Ausgestaltung von CO₂-Kennzeichnung auch für Produkte im Supermarkt testen, um festzustellen, ob diese auch dort zu nachhaltigeren Kaufentscheidungen führen.

Das angewandte Feldexperimente macht es möglich, die Wirksamkeit politischer Maßnahmen zu überprüfen, bevor diese eingeführt werden. Eine solche systematisch Evaluierung kann die Informationsgrundlage für politische Entscheidungen verbessern und daher zu einer evidenzbasierten Politikgestaltung beitragen.

Die angeführte Studie wurde zusammen mit Prof. Andreas Kontoleon und Paul Lohmann von der Universität Cambridge durchgeführt.

 

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