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Kundgebungen

Lichtermeer als Antwort auf Ausschreitungen

CORONA: GEDENK-LICHTERMEER ZUM DANK AN DAS GESUNDHEITSPERSONAL
Mehr als 30.000 Menschen versammelten sich am Ring(c) APA/HANS PUNZ
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Mehr als 30.000 Menschen erinnerten mit einer Kette aus Licht unter dem Motto #YesWeCare an die Opfer der Pandemie. Am Vortag hatte die Polizei Probleme mit Demonstranten.

Wien. Man sollte mit Kerzen kommen, oder die in den Mobiltelefonen eingebauten Taschenlampen einschalten: Mehr als 30.000 Menschen (laut Polizeiangaben) folgten Sonntagabend dem Aufruf, im Rahmen der überparteilichen #YesWeCare-Initiative der mehr als 13.000 Corona-Todesopfer in Österreich zu gedenken. Und um dem Gesundheitspersonal Solidarität zu bekunden. Dies war als Ziel des Lichtermeers auf der Wiener Ringstraße ausgegeben worden.

Die Aktion hätte ursprünglich schon am späten Nachmittag stattfinden sollen. Aus Rücksicht auf den Handel - die Geschäfte durften am heutigen vierten Adventsonntag öffnen - wurde sie um zwei Stunden verschoben.

Schon kurz nach 18.00 Uhr hatten sich zahlreiche Menschen entlang des Rings eingefunden. Dieser wurde um 18.45 für den Autoverkehr gesperrt. Der Aufforderung der Ordner, nun auf die Fahrbahn zu treten, wurde anfangs von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern - darunter auch zahlreiche Familien mit Kindern - nur zögerlich befolgt.

Auf die Mitnahme von Transparenten, Fahnen, Trommeln oder Trillerpfeifen hatten die Lichtermeer-Aktivisten weitgehend verzichtet. Vereinzelt wiesen Teilnehmer darauf hin, "geimpft" zu sein - etwa mit entsprechenden Aufschriften auf Lebkuchenherzen. Bei Demos der Maßnahmengegner waren zuletzt solche Herzen aufgetaucht, auf denen "ungeimpft" prangte. Die Wiener Linien bespielten die Bim-Anzeigetafeln mit "Yes we care"-Schriftzügen.

Teilnehmerzahl schwer zu schätzen

Pünktlich um 19.00 Uhr wurden die mitgebrachte Lichter in die Höhe gestreckt. Das Ende nach rund zehn Minuten wurde mit Jubel und Applaus quittiert. Reden gab es keine.

Wie ein Sprecher der Polizei betonte, sei die Teilnehmerzahl relativ schwer zu schätzen - da der Ring unterschiedlich gut besucht war. Sehr viele Menschen haben sich etwa bei der Oper oder beim Rathaus eingefunden. Spärlicher besetzt war die Straße am Kai. Es dürften sich aber jedenfalls mehr als 30.000 Menschen beteiligt haben, hieß es. Zwischenfälle wurden vorerst nicht gemeldet. Anders als bei den Demonstrationen der Maßnahmenkritiker waren auch kaum Menschen zu sehen, die auf das Tragen einer FFP2-Maske verzichteten.

Im Vorfeld hatten zahlreiche Organisationen ihre Unterstützung bekundet, darunter die Wiener Ärztekammer, Attac, die Volkshilfe, Samariterbund und SPÖ. Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen erklärte sich solidarisch. Das Staatsoberhaupt stellte eine Kerze in ein Fenster der Hofburg.

Auch das Gesundheitspersonal selbst sandte am Sonntag eine Botschaft aus. Und zwar in Form einer „Lichtermeer-Erklärung“. Darin heißt es: „Wir, die hier unterzeichnenden Ärztinnen und Ärzte, möchten uns zu Wort melden, genau jetzt, wo die Pandemie einer Infektion immer mehr zu einer Pandemie der Emotionen wird.“ Und: Man wolle Stellung beziehen – „zur gezielten Desinformation und zu den Attacken gegen Wissenschaft und gegen Gesundheitspersonal“. Weiter: „Eine Impfung ist keine politische Aussage. Sie ist nicht rot, grün, schwarz, pink oder blau. Sie sollte farblos und neutral sein.“ Dann hieß es noch: „Es sterben tagtäglich Menschen, weil sie ungeimpft sind. Sie sind ungeimpft, weil sie Angst haben und weil sie fehlinformiert wurden und weiterhin fehlinformiert werden.“

Die Erklärung ist zuletzt von etwa 3800 Ärzten unterzeichnet worden, darunter auch von Gesundheitsminister und Arzt Wolfgang Mückstein. Weitere Unterstützungserklärungen konnten/können abgegeben werden (Link: aerztinnenvscovid.info).

Initiiert wurde das Lichtermeer bzw. die entlang des Wiener Rings verlaufende Lichterkette von Daniel Landau, einem Bildungsaktivisten aus Wien, und dem Innsbrucker Roman Scamoni, die sich via Twitter vernetzten. Man wollte ein „kurzes, ruhiges Zeichen“ setzen.

Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres bezeichnete #YesWeCare etwa als „ein wichtiges Zeichen zur richtigen Zeit“ und kündigte sich für das stille Event an. Auch Michael Häupl, Wiens ehemaliger Bürgermeister und nunmehriger Präsident der Wiener Volkshilfe, gab seine Teilnahme bekannt. Obwohl die Initiatoren angaben, die Veranstaltung nicht als „Gegen-Demo“ zu sehen, übte Häupl bei dieser Gelegenheit auch Kritik an jenen Menschen, die sich aus Angst vor „neuen technologischen Entwicklungen“ von Rechtsextremen auf deren Demonstrationen instrumentalisieren lassen.

Kontroverse um Polizeieinsatz

Apropos Demonstrationen: Wie berichtet hatte es auch am Samstag wieder Kundgebungen von Coronamaßnahmen-Gegnern in der Wiener Innenstadt gegeben. Im Vorfeld waren Demonstrationszüge bis 18 Uhr polizeilich untersagt worden. Bestimmte Standkundgebungen waren erlaubt.

Die Polizei hatte nach Konsultationen mit Stadtpolitik und Wirtschaft (auch) das Grundrecht der Erwerbsfreiheit schützen wollen (zu Lasten des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit). Sprich: Die Leute sollten wenigstens an diesem Wochenende ungehindert Weihnachtseinkäufe machen können. Aber: Das Vorhaben der Polizei scheiterte zumindest zum Teil. An einigen Stellen durchbrachen Hunderte Demonstranten die Sperrgitter-Barrieren. Die Stimmung war aufgeheizt. In sozialen Netzwerkern, wo Videos vom Überrennen der Sperrlinien kursieren, ist unter anderem von einem Versagen der Polizei die Rede.

Diese sieht das im Rückblick anders. „Das Ziel der Coronamaßnahmen-Gegner, dass Demonstrationszüge mit mehreren Tausend Menschen in die Innenstadt gelangen und das Geschäftstreiben lahmlegen, haben wir durch unsere Taktik vereitelt“, sagte Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl zur Austria Presse Agentur.

Große Demonstrationszüge hätten durch die Untersagungen im Vorfeld verhindert werden können. Teil der Taktik sei auch die Zersplitterung der Demo-Züge gewesen. Letztlich seien 150 bis 200 Personen im Bereich des Stephansplatzes und 400 bis 500 Personen im Bereich Mariahilfer Straße aus verschiedenen Richtungen zusammengekommen. Diese Gruppen seien letztlich aufgelöst worden. Es gab sieben Festnahmen und mehr als 300 Anzeigen.