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Internet am TV: Kleine Boxen für das große Internet

Internet Kleine Boxen fuer
(c) webtube
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Settop-Boxen sollen das gesamte Internet ins Wohnzimmer bringen – ohne die Einschränkungen der Fernsehhersteller und auf alle Flat-TVs. Seit dieser Woche die Webtube HD im Handel.

Video und Internet wachsen zusammen. YouTube-Clips und Video-on-Demand-Filme machen bereits mehr als 50 Prozent des gesamten Datenverkehrs aus – was eine Chance für den guten alten Fernseher ist, der ja für Videowiedergabe gebaut ist. Anstatt einzeln am Handy oder PC könnten YouTube-Clips auch gemeinsam gesehen werden und damit den Fernseher wieder zum Mittelpunkt des Medienkonsums machen.

Zwar haben die Hersteller dies längst erkannt und bieten allesamt „internetfähige“ TV-Geräte an. Mit wenigen Ausnahmen – namentlich Philips, Sharp und Loewe – ermöglichen die internettauglichen Fernseher aber nur Zugang zu einem kleinen, vom jeweiligen Hersteller definierten Ausschnitt des Web. Nun treten gleich mehrere Anbieter auf den Plan, die mittels Settop-Box vollen Internetzugang auf jedem TV-Gerät – mit HDMI-Anschluss – ermöglichen.

So ist seit dieser Woche die Webtube HD im Handel, eine rund 250 Euro teure Settop-Box mit Android-Betriebssystem, die Web-Inhalte mit der „kleinen“ HD-Auflösung von 720 p auf den Fernseher bringt. Die Navigation erfolgt über eine Fernbedienung, die trotz weniger Tasten alle Funktionen inklusive Zoom beherrscht. Dank Funktechnik kann die zigarettenschachtelgroße Webtube-Box auch hinter dem Bildschirm platziert und an einem der Löcher für die Wandhalterung festgeschraubt werden. Neben dem Internetzugang über den Browser, der im Dezember noch ein Update für Flash-Inhalte bekommen soll, können ausgewählte Dienste wie YouTube, Facebook, Google Maps und länderspezifische News- und Unterhaltungs-seiten auch direkt über Icons angewählt werden.

 

Eigener App-Store

Die vordefinierten Funktionen lassen sich mittels Apps noch erweitern, wobei allerdings nicht der „große“ Android-Appstore, sondern nur ein Webtube-spezifisches Portal zur Verfügung steht. In naher Zukunft soll via Webtube auch das Video-on-Demand-Service Diva abrufbar sein. Neben dem Hauptzweck, Flachbildfernseher mit Internet nachzurüsten, bringt die Webtube HD auch eigene Fotos und Videos von externen Quellen wie Festplatten auf den Bildschirm – sofern der einzige USB-Slot nicht bereits durch einen WLAN-Stick für drahtlose Internetverbindung oder eine WLAN-Tastatur belegt ist. Das Nachfolgemodell Webtube pro mit mindestens zwei USB-Anschlüssen und Full-HD-Unterstützung soll im ersten Halbjahr 2011 folgen.

Laut Hersteller ab Mitte November verfügbar ist die rund 230 Euro teure Boxee-Box von D-Link, die ebenfalls vollen Internetzugang erlaubt. Herzstück des mit Atom-Prozessor bestückten, schwarzen Hochglanzwürfels ist die Boxee-Mediaplayer-Software, deren Benutzeroberfläche auf Fernsehgeräte ausgelegt ist und die als Download auch für PC, Mac und Linux verfügbar ist. HDMI, USB- sowie Audio-Anschlüsse sorgen für die notwendige Konnektivität, der obligatorische App-Store wird aufgebaut. Praktisches Extra ist die Qwertz-Tastatur auf der Rückseite der Fernbedienung.

Vorerst nur in den USA erhältlich ist die Logitech Revue, die erste Settop-Box, die mit Google-TV Internetzugang und diverse Google-Dienste auf den Fernseher bringt. Auch die Revue verfügt über USB-Anschlüsse und kann als Mediaplayer für externe Quellen dienen. Eine Funktastatur mit Trackpad ist im Lieferumfang der 300 Dollar teuren Box enthalten. Google-TV soll in Zukunft in verschiedensten Geräten integriert sein. Sony hat wie berichtet bereits LED-Fernseher mit Google-TV auf den US-Markt gebracht. Wann erste Geräte mit Google-TV nach Europa kommen, ist noch offen.

Eine weitere interessante Variante, Internet auf den Fernseher zu bringen, ist das Mediacenter des Providers D-Light. Die zusammen mit Internetanschluss und Kabel-TV vertriebene, rund 400 Euro teure Settop-Box verfügt über einen Firefox-Browser und ist dank 160 GB Speicher, DVD-Player und USB sowohl Festplattenrecorder als auch Mediaplayer. Derzeit ist das Angebot von D-Light auf das Glasfasernetz der Wienstrom beschränkt. In Zukunft will der Provider auch in anderen Netzen aktiv werden und im Frühjahr 2011 ist ein Mediacenter mit integriertem Sat-Receiver geplant.

 

Alternative Nettop-PC

Das knapp 400 Euro teure Mediacenter mit Atom-Prozessor ist praktisch ein „eingekapselter“ Linux-PC – was den Gedanken nahelegt, einfach einen normalen Computer über VGA oder HDMI mit dem TV-Gerät zu verbinden. Günstige Nettop-PCs sind bereits ab etwa 400 Euro erhältlich, einige Modelle passen sogar in die Standard-Wandhalterung auf der Rückseite eines Flachbildschirms – für Funkmaus und Tastatur ist das Display kein Hindernis. Diese Lösung ist an Funktionsumfang und Flexibilität – Stichwort unterstützte Dateiformate – kaum zu überbieten. Ob ein PC allerdings den Bedienkomfort einer Settop-Box bietet, sei dahingestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2010)