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Biologie

Tausendfüßler, wie man sie nie für möglich hielt

Ein ganz normaler Tausendfüßler: Beim "Insektenstreicheln" im Wiener Haus der Meeres.(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Ein Fossil, das größer ist als ein Auto, und ein lebendes Exemplar, das tatsächlich mehr als 1000 Füße hat.

Was für ein glücklicher Zufall: Ein großer Block Sandstein löst sich von einem Kliff, stürzt in die Tiefe, spaltet sich beim Aufprall, enthüllt ein Fossil – und ausgerechnet ein ausgebildeter Geologe spaziert kurz darauf über den Strand im Norden Englands, entdeckt es und meldet es seinem früheren Kollegen Neil Davis in Cambridge. Mittlerweile hat dieser den spektakulären Fund ausgewertet und beschrieben (Journal of the Geological Society, 20. 12.): ein 75-Zentimeter-Segment eines Tausendfüßlers, der insgesamt 2,7 Meter lang war und rund 50 Kilo wog.

Damit ist er das größte wirbellose Tier, das je gefunden wurde, größer auch als die alten Meeresskorpione, die bisher den Rekord hielten. Man fand einen Abschnitt des Hautpanzers, den das Tier abgeworfen hat. Er füllte sich mit Sand und überdauerte so 326 Millionen Jahre. Das rare Exemplar der ausgestorbenen Gattung Arthropleura lebte damit noch 100 Millionen Jahre vor den Dinosauriern, zu einer Zeit, als England am Äquator lag und sich eines tropischen Klimas erfreute. Bis dahin hatte man nur zwei weitere Fossile dieser Gattung gefunden – in Deutschland, beide deutlich kleiner.

Rekordhalter hatte nur 750 Füße

Aber diese Kreatur der Superlative hatte nur 64 Füße, weit weniger als die 1000, die seinem Unterstamm der Gliederfüßer den Namen geben. Auch der bisherige Rekordhalter kommt nur auf 750 Füße. Aber „diplopodologists“ (Menschen, die sich wissenschaftlich mit Tausendfüßlern beschäftigen) haben stets davon geträumt, einem Exemplar zu begegnen, das seinen Namen wirklich verdient. Gwen Pearson und Paul Marek haben es geschafft: Sie fingen im Sommer 2020 im Bohrloch einer australischen Mine ein Tierchen, das sie in ihrer aktuellen Studie dazu Eumillipes persephone taufen (16. 12., Scientific Reports).

Es ist nicht einmal zehn Zentimeter lang und sieht aus wie eine Spaghetti-Nudel, die über und über mit winzigen Stollen gespickt ist, so wie man sie größer von Fußballschuhen kennt. Aber wie viele? Marek machte Fotos von dem krabbelnden Winzling, markierte schon gezählte Beinchen – und kam auf 1306. Das vielfüßigste Geschöpf auf Erden: ein neuer Rekord, den es zu brechen gilt.

[S3OTO]