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Jahresrückblick

Der sinkende Stern des Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg spricht zu seinem eigenen Avatar im "Metaverse".
Mark Zuckerberg spricht zu seinem eigenen Avatar im "Metaverse".VIA REUTERS
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Ultimatum für WhatsApp-Nutzer, Hass und Hetze, Fake-News, Datenschutzskandale und eine Whistleblowerin, die offenlegt, wie Mark Zuckerberg, den Profit auf Instagram über das Wohl junger Menschen stellt - das turbulente Facebook-Jahr im Überblick.

Die Bundestagswahl, die Fußball-Europameisterschaft und die nicht enden wollende Corona-Pandemie waren die Top-Themen des Jahres 2021 auf Facebook, wie das Unternehmen in seinem jährlichen Rückblick präsentierte. Dabei kommt die Rolle des Mark Zuckerberg  mit seinen Plattformen selbst viel zu kurz. Denn "Meta" wie der Mutterkonzern seit einigen Wochen heißt, stand oft im Mittelpunkt.

Schon zum Beginn des Jahres sah sich Facebook im medialen Fadenkreuz. Rund um den Sturm auf das US-Kapitol am 6. Jänner wurde auch die Verantwortung dafür bei Facebook gesucht. Von Kritikern hieß es, dass Facebook eine derartige Mobilisierung erst möglich gemacht hätte. Der Konzern reagierte schnell und sperrte nur einen Tag nach den Geschehnissen den damals noch amtierenden US-Präsidenten. Mark Zuckerberg fand für diese Entscheidung ungewöhnlich klare Worte: "Die schockierenden Ereignisse der vergangenen 24 Stunden zeigen klar, dass Präsident Donald Trump seine verbleibende Amtszeit nutzen will, um die friedliche und rechtmäßige Amtsübergabe an seinen gewählten Nachfolger Joe Biden zu untergraben." Auch jetzt noch, elf Monate später, will Trump das Ergebnis nicht akzeptieren. Ohne Facebook, Twitter und Co. fällt es ihm aber deutlich schwerer, seine Anhänger zu erreichen. Die Versuche, sein eigenes Twitter aufzubauen, sind bislang alle gescheitert. Eine Rückkehr zum Kurznachrichtendienst bleibt ihm weiterhin verwehrt, auch die Klagen änderten das nicht.

Die positive Stimmung währte nur kurz, denn noch am selben Tag wurde bekannt, dass Facebook ein elementares Versprechen - das schon einige Jahre am Buckel hatte - brechen wollte: Facebook und WhatsApp Daten sollten zusammengelegt werden. Der Plan ging nicht auf. Binnen Tagen verzeichneten Messenger-Mitbewerber viele neue Nutzer. Kurz darauf wurde den Nutzern ein Ultimatum gestellt: Die neuen Bedingungen entweder zu akzeptieren oder auf den vollen Umfang zu verzichten. Die mehr als zwei Milliarden Nutzer reagierten und viele davon zogen um: Zu Signal, Telegram und anderen Anbietern und Facebook musste sich geschlagen geben. Die Nutzungsbedingen wurden still und leise zurückgezogen.

„Astronomische Gewinne über die Menschen“ gestellt

Indes versucht der Konzern nur lasch der Fake-News-Verbreitung auf seinen Kanälen etwas entgegenzusetzen. Die "Infodemie" wie Christian Drosten sie bereits zu Beginn der Pandemie beschrieb, wächst sich weiter aus. Beinahe im Wochenrhythmus werden Tausende Kanäle von Imfpgegnern, Corona-Leugnern und Q-Anon-Anhängern gelöscht. Hingegen sollen Prominente eine Vorzugsbehandlung erhalten haben und durften weiterhin ungehindert Fake News verbreiten. Dagegen, dass jederzeit neu Gruppen erstellt werden können, setzt Facebook bis heute nicht ausreichend Maßnahmen.

Und während Mark Zuckerberg Pläne schmiedete, ein Instagram für Kinder zu entwickeln, braute sich im Hintergrund neues Ungemach zusammen. Ein Whistleblower veröffentlichte gemeinsam mit der „Washington Post" verstörende Unterlagen darüber, wie schädlich just jene Plattform für junge Menschen ist. Keine Untersuchungen von externen Firmen, sondern von Facebook selbst. Interne Studien über die Auswirkungen auf die Psyche, in denen man zu dem Schluss kommt, dass die Gefahren enorm sind. Vorschläge, den Dienst zu verbessern, um die Gefahr von Depressionen und Selbstmordgedanken zu verringern, blieben unbeachtet. Die PR-Maschinerie rückte umgehend aus und versuchte, diese Berichte zu diskreditieren und selbst Mark Zuckerberg erklärte sie für "unlogisch". "Absichtlich Inhalte fördern, um Menschen für Geld wütend zu machen, ist unlogisch", holte er dabei aus.

Wohl auch ein Grund, warum die zuvor unbekannte Person ins Rampenlicht trat. Frances Haugen, eine ehemalige Mitarbeiterin, wandte sich an den US-Kongress und zeigte auf, wiewohl das Zuckerberg-Imperium um die Auswirkungen wusste. "Das Führungsteam des Unternehmens weiß, wie man Facebook und Instagram sicherer machen kann, aber nimmt die notwendigen Veränderungen nicht vor, weil es die astronomischen Gewinne über die Menschen stellt", sagte Haugen und verwies auf die schädlichen Einflüsse des Netzwerks auf die geistige Gesundheit von Kindern. Facebook "agiert im Verborgenen".

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US-Demokraten und US-Republikaner scheinen sich der Marktmacht und der Rolle Facebooks einig. Weniger aber darum, wie die Politik dem Einhalt gebieten soll. „Die amerikanische Öffentlichkeit erwartet von uns, dass wir handeln“, sagte der Ausschussvorsitzende Mike Doyle aus Pennsylvania noch Anfang Dezember. Doch die Zeit drängt, denn schon im November 2022 stehen Parlamentswahlen an und könnten eine parteiübergreifende Zusammenarbeit erschweren. Doch auch schon jetzt tut man sich damit offensichtlich schwer, verlor man sich in der Anhörung einmal mehr in einer Diskussion über Redefreiheit. Einmal mehr zeigte sie die grundsätzliche Einigkeit darüber, Tech-Unternehmen zu regulieren. Bei der Ausformulierung der Maßnahmen könnten die Positionen nicht mehr divergieren.

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Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte, heißt es bekanntlich so schön. Denn in all den Diskussion um Regulierung oder Zerschlagung, kündigte Mark Zuckerberg seinen nächsten Coup an: Unter dem Namen "Meta" wurden alle Plattformen unter einen Mutterkonzern zusammengefasst. Keine neue Strategie, machte das unter anderem auch schon Google mit Alphabet.

„Meta" soll das neue Internet werden, ein virtueller Spielplatz, errichtet von niemand geringerem als Mark Zuckerberg. Das Metaversum soll also von eben jenem Menschen errichtet werden, der es inmitten einer anhalten Diskussion über Privatsphäre, Datenschutz und Sicherheit von Kindern lieber am 4. Juli auf einer Surfbrett mit US-Fahne geriert.

Nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang der kleine Zwischenfall im Oktober: Ein winziges fehlerhaftes Update sorgte für einen weltweiten Totalausfall. Nichts ging mehr und selbst im Facebook Hauptquartier waren die Mitarbeiter ausgesperrt. Nach sechs Stunden war zwar alles wieder vorbei, die Dienste online und die Häme groß. Doch die Folgen, alles in die Hand eines Konzerns zu geben, können katastrophal sein.

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Was 2021 wichtig war

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