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Wohnphilosophie: Von Höhle bis Hygge

Hinter den Bildern und Mustern, mit denen Menschen wohnen, stecken auch tiefgründige Gedanken. Und manchmal sogar: Philosophie.

Pausenmodus, für viele bedeutet das Urlaub, Ferien, Feiertage, Weihnachten. Oder nach Hause kommen. In die eigene Wohnung. Dort darf man endlich wieder „sein“, ohne dass man so „sein“ muss, wie es die anderen vor der Haustür erwarten. Maske fallen lassen, „soziales Gesicht“ gleich an der Garderobe abgeben. Und die Geschwindigkeit auf beinahe Stillstand drehen. Auch das ist Wohnen. Und vieles anderes mehr. Mit Pandemie und Weihnachten überschneiden sich zwei Gelegenheiten, darüber nachzudenken, wie man wohnt. Und womit. Und ob das auch so sein muss.


Wohnen gilt ja auch als Privatangelegenheit. Doch nicht einmal das ist ganz sicher. Und wenn es tatsächlich auch „privat“ ist, dann ist dieses Phänomen ein ziemlich junges. Gemeinsamkeit, Gemeinschaft, Kollektiv,  – das waren lang die überlebenswichtigen Daseinsformen. Weit zurück in diese Phase der Menschheit schaut auch Eva B. Ottillinger, wenn sie darüber nachdenkt, wie Menschen gemeinsam lebten oder wohnten. Und mit welchen Dingen sie ihr Leben ausstaffierten. Berufsbedingt blickt sie dabei oft auch in die herrschaftlich-höfische Phase. Schließlich ist sie stellvertretende Leiterin der Abteilung für „Historische Sammlungen“ im Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und gleichzeitig Kuratorin im Möbelmuseum Wien, das früher Hofmobilien­depot hieß. Aber manchmal – Archäologie hat sie auch studiert – führt sie ihr Interesse in Epochen, in denen so seltsame Dinge wie Bett, Thron, Boudouir, Smarthome oder Serviced Apartment noch gar keine Rolle spielten. Damals war das einzig gängige Lebensmodell: Wir alle zusammen. Und das immer. „Wenn wir bis zur jungsteinzeitlichen Revolution zurückschauen, sehen wir, dass damals so etwas wie individuelle Privatheit nicht existierte. Man war von der Sippe abhängig“, erzählt Ottillinger. Und auch im höfischen Kontext, der zunächst für das Bürgertum gern die Wohnvorlage war, zeigt sich: So banale Dinge wie sitzen, essen, schlafen gehen konnten zu ziemlich öffentlichen Angelegenheiten ausarten. Die Geschichte der Intimität, das sei ein eigener Erzählstrang entlang der Historie des Wohnens, meint Ottillinger: „Ich glaube, dass Intimität kein ursprüngliches Bedürfnis der Menschen war. Es ist vielleicht erst spät mit der Entwicklung des Schlafzimmers, bei dem man die Tür auch zumachen kann, gekommen.“