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Luxusimmobilien

Luxus aus Holz: von Außenwänden bis Zirbenbetten

Chalets in Tirol
Chalets in Tirol(c) Christoph Vögele
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Baumaterial. Das Premium-Klientel entdeckt den Rohstoff auch abseits des Altholzes.

Holz hat in den vergangenen Jahren still und leise auch im Luxussegment seinen Siegeszug angetreten. Beobachter berichten von Holzhäusern, die fast schon palastähnliche Ausmaße haben, oder über edles Altholz, das in Tiroler Luxusenklaven wie Kitzbühel derartig beliebt ist, dass bis nach Rumänien alte Stadl abgetragen und nach Österreich gebracht werden. Ganz zu schweigen vom guten alten Zirbenholz, dessen Wirkung manche für tiefenentspanntes Schlafen entdeckt haben. Wobei Holz heute längst nicht mehr mit rustikal gleichzusetzen ist – vielmehr wird der nachwachsende Rohstoff in durchaus geradlinigen, reduzierten Formen eingesetzt – und schafft dabei den Spagat, sowohl modern zu wirken als auch Wärme auszustrahlen.

Premium-Fertighaus von Magnum
Premium-Fertighaus von MagnumMagnum

Vollholz-Architektenhäuser

Genutzt wird der nachwachsende Rohstoff dabei nicht nur bei der Innenausstattung und im Design, sondern immer öfter auch als Basis für das ganze Gebäude. Und das nicht mehr nur bei rustikalen Bauten und Chalets in den Bergen, sondern auch bei hochwertigen Architektenhäusern. Wobei Österreichs Image als Lieferant sowohl hochwertiger Hölzer wie handwerklicher Qualität für eine zunehmende Nachfrage aus dem Ausland sorgt. „Wir bekommen immer wieder tolle Aufträge aus den osteuropäischen Ländern, besonders aus Russland, wo es bekanntlich ein paar mehr Millionäre gibt als in Österreich“, freut sich Christian Murhammer, Geschäftsführer des Österreichischen Fertighausverbandes. „Die Interessenten wollen einerseits mit dem Bau eines Holzhauses einen Heimatbezug haben, schätzen aber gleichzeitig die Qualitätsfokussierung, die in Österreich genauso wie in Deutschland oder der Schweiz vorhanden ist“, sagt der Verbandschef. Das sei mit ein Grund, dass die Mitglieder immer mehr Luxushäuser aus Holz in ihren Portfolios haben – und immer mehr Premium-Häuser. „Fast ein Viertel unserer Ein- und Zweifamilienhäuser ist in der obersten Preisklasse zu finden“, betont Murhammer. Was bedeutet, dass diese häufig jenseits der halben beziehungsweise ganzen Million-Euro-Grenze zu finden sind.
Für dieses Klientel gibt es den Luxus Holz dann komplett auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten, wie Johann Braunsdorfer, Geschäftsführer von Magnum Vollholzdesign, berichtet. „40 Prozent unserer Kunden bringen ihren eigenen Architekten beziehungsweise dessen Pläne mit, 60 Prozent lassen ihr Holzhaus von unserem Architektenteam planen“, so der Fertighausunternehmer.

Ökologisch und edel

„Fertig“ bezieht sich hier nur mehr darauf, dass die einzelnen Bauteile in der Halle vorgefertigt und dann vor Ort aufgestellt werden. „Wir verstehen uns grundsätzlich als Manufaktur“, erklärt Braunsdorfer, der seit 30 Jahren in der Branche tätig ist. „Wir planen jedes Haus einzeln anhand der Kundenvorstellungen, der architektonischen und Budgetansprüche sowie der örtlichen Bebauungsrichtlinien.“ Und eben aus Vollholz, was einer immer größer werdenden Kundschaft zunehmend wichtiger wird. „Der Zuspruch zum Massivholz wird deutlicher und spürbarer. Die Gründe liegen in der gesunden, ökologischen Bauweise mit biologisch unbedenklichen Materialien wie Naturgipskarton und ausschließlich österreichischer Steinwolle als Dämmung“, erklärt der Unternehmer. Das alles wird immer öfter in einer Ausführung auf höchstem Niveau gewünscht, mit edlen Natursteinen, Vollholzparketten, zargenlosen Türen, Vollholztreppen mit modernen Glas- oder Metallgeländern, aber auch kontrollierter Wohnraumlüftung und Kühlung. Dass Qualität dieser Art ihren Preis hat, ist den Käufern dabei bewusst. „Wir machen in letzter Zeit die Erfahrung, dass es ein sehr gutes Klientel gibt, das bereit ist, zwischen 4500 und 5000 Euro pro Quadratmeter zu zahlen“, berichtet Braunsdorfer.

Zirbenbett in Szene gesetzt
Zirbenbett in Szene gesetztMagma

Die Rückkehr der Zirbe

Auch bei der Innenausstattung entdecken mehr und mehr Käufer im Premiumsegment die Eigenschaften des unbehandelten, heimischen Holzes – oder genauer gesagt: Sie entdecken es wieder. Denn dass die gute alte Zirbe ein besonders gutes Raumklima schafft, wussten schon die Alten; das gar zu Rustikale hat dann aber einige Jahrzehnte lang dafür gesorgt, dass die hölzernen Stuben bei der Renovierung vielerorts entsorgt wurden. Inzwischen kehrt das Holz aber durch die Hintertür – oder genauer – durch die Schlafzimmertür zurück. Zu den ersten, die die Wirkung der Zirbe (wieder)entdeckt haben, gehört die Niederösterreicherin Nicole Pröll. Nachdem ihr unruhiges Baby nach einem Rat der Oma plötzlich in einer alten Zirbenlade durchschlief, gründete die junge Mutter „Bennis Nest“ und verkauft seitdem erfolgreich speziell designte Zirbenschlafmöbel für Kinder. Seit 2017 gibt es ähnliche Möbel bei der Koje, einer 2017 von Christian Leidinger gegründeten Möbelmanufaktur mit Stammsitz in Bludenz. In dieser werden Betten und Schlafzimmermöbel aus Zirbenholz in modernem Design entworfen und produziert – und das so erfolgreich, dass es inzwischen Niederlassungen in Dornbirn, Wien und der deutschen Eifel gibt. „Die Nachfrage war in den letzten Jahren riesengroß“, berichtet Marketingleiter Lucas Bitschnau. „Die Leute wollen ein Bett aus Zirbenholz, das zeitgemäß ist und in modernem Design etwas hermacht.“

Altholz in klassischem Tiroler Chalet
Altholz in klassischem Tiroler Chalet(c) Christoph Vögele

Höchstpreise für Altholz

Diese Nische bedienen die Vorarlberger mit eigenen Entwürfen, zu denen unter anderem astfreie Modelle gehören und für die ihre Kunden gern bereit sind, einen angemessenen Preis zu zahlen, wie Bitschnau betont. Auf der dekorativen Seite werden für Hölzer dann, wenn sie eine Geschichte und die damit verbundenen Gebrauchsspuren aufweisen, schon seit vielen Jahren Höchstpreise gezahlt: Altholz ist in den Bergen aus den Luxuschalets und -wohnungen nicht mehr wegzudenken.
Von Holztramen bis zu Wand- und Deckenverkleidungen finden sich die alten Dielen, für die oft mindestens das Doppelte des normalen Preises für neues Bauholz gezahlt wird. Teils werden bis zu mehrere Tausend Euro für einen Kubikmeter fällig – weshalb die darauf spezialisierten Produzenten inzwischen bis nach Rumänien oder noch weiter auf der Suche nach alten Stadln und anderen Gebäuden sind. Denn eine Patina hat einfach ihren Wert – in hektischen Zeiten ganz besonders. (SMA)