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Klima

Schladminger Gletscher: Blick in die Zukunft der Alpen

Die Pistenraupe schleudert Schnee auf die Lifttrasse, die vom Gletschersebeinahe angeknabbert wird. Die Stützen scheinen auf tönernen Füßen zu stehen.Anisa
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Im steirisch-oberösterreichischen Grenzgebiet ist im Kleinen zu beobachten, was die Alpen insgesamt erwartet: das Verschwinden der Gletscher.

Die Reste des Winters werden mit Akribie und Hartnäckigkeit verwaltet: Der Schnee, den es noch gibt, der wird so verteilt, dass sich Besucher den Freuden des Winter-Tourismus hingeben können. Allerdings ist es ein Glück auf Zeit: Denn der Gletscher schmilzt dahin, wie überall im Alpenbogen.

Franz Mandl ist seit Jahrzehnten ein Chronist der sich verändernden Region. Seit Ende der 1990er Jahre verfasst er alljährlich einen Gletscherbericht über die vereisten Flächen in diesem gebiet. Im Zentrum der Gletscherbegehungen sind der Schladminger und Hallstätter Gletscher, das östlichste Gletscherfeld der Alpen. Am Gjaidsattel treffen sich die beiden Gletscherfelder – noch, denn hier, in etwa 2600 Metern Höhe, lässt sich das Abschmelzen sehr deutlich nachvollziehen.

„Der Längenrückzug der Periode 2020-2021 beträgt 16,7 Meter. Zwischen 2014 und 2021 verlor der Gletscher im Bereich der Messungen 14 m an Eisdicke“, heißt es im diesjährigen Gletscherbericht von Anisa, einem Verein für alpine Forschung, den Franz Mandl 1980 gegründet hat.

Zwischen 1890 und 1970 zog sich der Gletscher um 104 Meter zurück, zwischen 2000 und 2021 dann um 102 Meter. Im unteren Bereich ist der Schladminger Gletscher seit dem Höchststand von 1850 völlig verschwunden, da dort Eismassen von 150 bis 200 m Höhe abgeschmolzen sind. Schon 1999 musste er feststellen, dass in den 50 Jahren zuvor der Gletscher nicht weniger als zehn Meter an Eisdicke eingebüßt hat. Und heute ist mit einem Verlust von etwa einem halben bis 2 Meter Eisdicke zu rechnen – jährlich. „Der Gletscherrückgang wirkt sich jedoch nicht so sehr am unteren Gletscherrand aus wie an der freien Oberfläche des Gletschers, die dem Wind besonders stark ausgesetzt ist.“

Der Skibetrieb außerhalb der Wintersaison auf dem Gletscher ist nur noch sehr beschränkt möglich, indem Schneedepots für den Langlauf angelegt werden. „Gleichzeitig sind ständig Pistenraupen und Bagger in Betrieb, die Schnee so auf den Loipen verteilen, dass der Wintersport-Betrieb möglich bleibt. Im Sommer müssen Liftstützen stabilisiert und die Lifttrassen großflächig mit Plastikplanen abgedeckt werden, sodass sie bis zu vier Meter aus dem Gletscherumfeld ragen“, so Mandl.

Trotz Klimakrise werde der Wintertourismus so lange funktionieren, wie die Temperaturen in einem Bereich sind, in denen Schneekanonen funktionieren. Umbaggern, Plastiplanen und Schneekanonen findet der Alpinfreund Mandl allerdings schlichtweg „peinlich“.

In mühevoller Kleinarbeit hat Mandl eine Chronologie der touristischen Erschließung der Dachstein-Region erstellt. Demnach hat es 1877 begonnen, als die erste Hütte ihren Betrieb aufnahm. Die Erweiterung des Wegenetzes und der Betrieb von Gaststätten in der Region blieben über Jahrzehnte in einem Rahmen, den Mandl als „sanften Tourismus“ bezeichnet, ehe 1961 durch die „Dachsteinstraße“ die Weichen in Richtung Massentourismus gestellt wurden. „Für die Bergstation am Hunerkogel ist der Gipfel weggesprengt worden“, so Mandl. Seither ist der Hunerkogel nur noch 2687 Meter hoch, nicht mehr 2694.