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Jede Geste, jeder Weg, jedes Ritual: Ein Jahr lang zeichneten die Filmemacher das Leben von Shiojiri Tayoko und ihrer Familie in einem japanischen Dorf auf.
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Kino

Filme geben Antworten auf die entglittene Zeit

Die kontemplative Erfahrung von Zeit ist wieder verstärkt Thema von Filmen – ein Trend mit Namen: „Slow Cinema“ oder „Sleep Cinema“. Ein guter Lehrer dieser Sehschule ist „The Works and Days (of Tayoko Shiojiri in the Shiotani Basin)“.

Es gibt keinen Tag, an dem man nicht damit konfrontiert wird, wie die Zeit vergeht. Ob abgerissene Kalenderblätter, tägliche Jubiläen oder pausenlos aufpoppende Nachrichten, die in den sozialen Medien daran erinnern, was man heute vor zwei oder zehn Jahren getrieben hat. Man könnte glauben, Zeit spielt eine Hauptrolle im modernen Leben. Doch aus dem Alltag wird sie verdrängt. Wo ist sie also? Im Kino.

Man kann Zeit gewinnen, verlieren, nehmen, schenken, vergessen, spüren, totschlagen, aber sehen kann man sie nicht. Das hat auch die Philosophie lang beschäftigt. Henri Bergson lieferte vor 100 Jahren ein Denkmodell, das die Einheit von Zeit und die Erfahrung von Dauer unterschied. Sein theoretisches Wirken entstand nicht zufällig im gleichen Moment, in dem der Film als Zeitmedium par excellence seinen großen Siegeszug antrat. Große Filmemacher nutzten stets die genuine Fähigkeit des Kinos, zeitliche Übergänge sichtbar zu machen. Wolken, die sich vor den Mond schieben. Ein Kuss, der jäh unterbrochen wird. Schmelzender Schnee.