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Beziehungsstudie

Liebe auf den ersten Blick - ein Mythos?

Die meisten Beziehungen fingen als Freundschaft an (Symbolbild).
Die meisten Beziehungen fingen als Freundschaft an (Symbolbild).(c) Getty Images (Pierre Crom)
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Liebe auf den ersten Blick - ein in der Popkultur oft zitiertes Phänomen. Wie sich die Entwicklung von Liebesverhältnissen tatsächlich gestaltet, erforschten kanadische Psychologinnen.

Vor allem in weihnachtlichen Romcoms - also romantischen Weihnachtskomödien - ist die Liebe auf den ersten Blick schier allgegenwärtig. Eine Studie, die heuer im Fachmagazin Social Psychological and Personality Science veröffentlicht wurde, zeigte jedoch, diese Art des Anbandelns ist, wenn überhaupt, eine Seltenheit. Die meisten Liebespaare, immerhin mehr als zwei Drittel, sind zunächst befreundet, bevor sie näher zusammenfinden, statt sich wie von einem Blitz getroffen zu verlieben.

Allerdings wird nicht nur die Filmindustrie vom Motiv der plötzlichen Liebe zwischen zuvor Fremden dominiert, auch die Wissenschaft widmet sich vorrangig diesem Szenario. So befassen sich etwa 75 Prozent der Forschungsprojekte zu Beziehungen und Partnerschaften mit dem cineastischen Motiv - lediglich 18 Prozent hingegen untersuchen, wie sich aus Freundschaft Liebe entwickelt. Auch das geht aus der Studie hervor.

Zuerst war die Freundschaft

Im Rahmen der Studie wurden mehrere Forschungsbefunde von 2002 bis 2020 miteinander verglichen - ihnen liegt die Befragung von etwa 1900 Personen zugrunde. Der Vergleich zeigte, dass augenblickliche wie zurückliegende Partnerschaften von 68 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit einer Freundschaft begonnen hatten. Dieses Ergebnis fand sich unabhängig des Geschlechts, Bildungs-, Einkommensniveaus und der Ethnie. Unter den 20- bis 30-Jährigen sowie in LGBTQ+-Communitys lag der Anteil der Liebespaare, die erst befreundet waren, sogar bei 85 Prozent.

Dabei definiert der Begriff Freundschaft mehr als nur eine kurze Kennenlernphase. Im Durchschnitt dauert es ein bis zwei Jahre, bis sich aus Befreundeten ein Liebespaar formiert. Der Großteil der Befragten betonte auch, dass die Freundschaft ohne jegliche Hintergedanken an eine romantische Beziehung eingegangen wurde. Knapp die Hälfte der Teilnehmenden würden es vorziehen, ihren Partner oder ihre Partnerin über den Weg der Freundschaft zu finden anstatt via Online-Dating-Portalen oder beim Ausgehen.

Verschwimmende Grenzen

Es ist also an der Zeit, Vorurteile zu unterschiedlichen Beziehungsgefügen zu überdenken. Die Studien-Autorinnen Danu Anthony Stinson, Jessica J. Cameron und Lisa B. Hoplock erhoffen sich jedenfalls, mit ihren Befunden einen Denkanstoß für künftige Forschungsprojekte angesichts der Entwicklung von Liebesverhältnissen geliefert zu haben. Die Grenze zwischen Freundschaft und Liebe sei bei weitem nicht so stringent wie oftmals angenommen. Beziehungsmischformen - Arrangement zwischen Freundschaft, Sex und Romantik - würden in der Forschung kaum berücksichtigt, es sei an der Zeit, mit alten Stereotypen aufzuräumen.

>> Zur Studie

(evdin)