Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Kunst

Christoph Büchel: Kunstwerke aus Kot und Diamanten

Kunst von Christoph Büchel bei der Contemporary Art Paris 2008.
Kunst von Christoph Büchel bei der Contemporary Art Paris 2008.Charles Platiau
  • Drucken

Mit dem Kunstprojekt „The Diamon Maker - The Estate“ wird der Schweizer Christoph Büchel sein Gesamtwerk der Frage nach künstlerischer Autorschaft widmen. Dafür greift er auf seinen eigenen Kot zurück.

Kunstkritikerinnen und Archivare wissen: Das Gesamtwerk lässt sich erst mit dem Tod des Künstlers oder der Künstlerin gänzlich deuten und einordnen. Der Schweizer Künstler Christoph Büchel (55) greift diesem Grundsatz vor und will sein unverkauftes Lebenswerk zu Diamanten machen. Als Grundlage nutzt er dafür den eigenen Kot. Aus den Kunstwerken wird Kohlenstoff gewonnen, in Graphit umgewandelt und über mehrere Wochen unter hohem Druck von 80.000 Bar und Temperaturen von mehr als 1.800 Grad in einer Wachstumszelle gepresst. Als formgebendes Element für die Diamanten braucht es sogenannte Impfdiamanten, die aus der DNA des Künstlers hergestellt worden seien.

„Künstlerscheiße“ 

„Künstlerscheiße“ heißt es pointiert in einer Mitteilung. Das stehe „sinnbildlich für die Autorenschaft des Künstlers“. Das Hochdruck-Hochtemperatur-Verfahren imitiere den sonst Milliarden von Jahren dauernden Wachstumsprozess natürlicher Diamanten im Erdinneren. Die Ergebnisse seien chemisch, physikalisch, atomar und optisch mit natürlichen Diamanten identisch.

Büchel ist für provokante Aktionen bekannt. 2019 sorgte er auf der Biennale in Venedig für Gesprächsstoff, als er ein Schiffswrack ausstellte, mit dem Hunderte Flüchtlinge von Libyen aus nach Europa hatten gelangen wollen. Doch schätzungsweise 800 Menschen starben. Vier Jahre zuvor musste ein Moschee-Kunstprojekt in einer Kirche für die Biennale schließen. Büchel hatte für den isländischen Pavillon eine Moschee in einer ehemaligen katholischen Kirche gebaut. 2010 richtete der Künstler einen Swingerclub in der Wiener Secession ein. Und auch die goldene, vier Meter große Statue des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan bei der Biennale in Wiesbaden 2018 ging laut einer Sprecherin auf Büchels Kappe.

Nun will er den Angaben zufolge alle bisherigen Kunstwerke, die sich in seinem Besitz befinden, seine frühen Jugendwerke sowie alle zukünftigen Arbeiten, die während der Zeit ihrer Ausstellung unverkauft bleiben, zu Rohdiamanten komprimieren. „The Diamond Maker - The Estate“ werde als Gesamtkunstwerk erst mit dem Tod Büchels beendet sein. Im neuen Jahr sollen rund 150 Diamanten hinzukommen.

Kommentar zum Kunstmarkt

Präsentiert würden sie in einem Koffer eines Diamantenhändlers, der unter anderem als fiktive Verkaufsplattform dienen soll. „Ein Markt, auf dem Zertifizierung, Eigentum, Urheberschaft und Auktionspreise zusehends an die Stelle der eigentlichen Kunstwerke treten und sie zum Verschwinden bringen“, hieß es. Produziert werde das Ganze von JenaKultur/Kunstsammlung Jena. Eine Präsentation in Zusammenarbeit mit der Fondazione Prada in Mailand stehe in der Diskussion.

Es ist nicht das erste Werk aus Künstler-Exkrementen: Vor 60 Jahren füllte der italienische Künstler Piero Manzoni seine Fäkalien in Konservendosen und bot sie für den damaligen Goldpreis an. Eine der Dosen mit dem Etikett „netto 30 Gramm Naturerzeugnisse, produziert im Mai 1961“ begann bei einer Ausstellung in einem dänischen Kunstmuseum wegen falscher Lagerung zu tropfen - der Fall landete vor Gericht.

(APA)