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Kiwipflanze
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Expedition Europa

Kiwis aus den Pontinischen Sümpfen

Unser Autor Martin Leidenfrost zu Besuch in der italienischen Provinz Latina, im zweitgrößten Kiwi-Anbaugebiet der Welt.

Die Urbarmachung der unbewohnbaren Pontinischen Sümpfe war ein alter Menschheitstraum. Caesar und Napoleon scheiterten daran, auch Goethe wusste bei seinem Besuch 1787 keinen Rat, ließ sich vermutlich hier zu einer Szene in „Faust II“ anregen: „Ein Sumpf zieht am Gebirge hin / verpestet alles schon Errungene / den faulen Pfuhl auch abzuziehn / das Letzte wär das Höchsterrungene / Eröffn' ich Räume vielen Millionen.“ Noch um 1900 war der südlich von Rom gelegene Landstrich entvölkert und dank der tropischen Anopheles-Mücke mit Malaria verseucht.

Erst Mussolini legte die Pontinischen Sümpfe ab 1930 nach den Plänen des preußischen Offiziers Fedor Maria von Donat trocken. Er ließ sich mit Schaufel und nacktem Oberkörper fotografieren, als „cittá nuove“ bezeichnete Planstädte wie Latina, Pontinia und Aprilia anlegen und mit agrarisch unerfahrenen Hungerleidern aus der Emilia-Romagna besiedeln. Heute ist die Provinz Latina mit 561.000 Einwohnern ein höchst fruchtbares Prozent von Italien. Faust käme aus dem Staunen nicht heraus, könnte er sehen, dass sich der faule Pfuhl in das zweitgrößte Kiwi-Anbaugebiet der Welt verwandelt hat. Der größte Produzent der „Chinesischen Stachelbeere“ ist China, Neuseeland bloß der drittgrößte.