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Was die Wahl der Schule beeinflusst

Die Hälfte der Schüler in der AHS-Unterstufe kommt aus einem Akademikerhaushalt. Die Kinder erbringen im Schnitt bessere Leistungen. Doch selbst wenn nicht, entscheiden sie sich häufiger für die AHS.

Der Andrang an den heimischen Gymnasien ist groß. In manchen Regionen zu groß. Dort wurden in den vergangenen Jahren auch Kinder mit lauter Einsern aus Platznot abgewiesen. Was im Einzelfall bereits spürbar geworden ist, zeigt sich nun auch in der Statistik. Seit Jahren steigt der Anteil der Kinder, die von der Volksschule in die AHS-Unterstufe wechseln. Im Jahr 2010 lag er noch bei 33,6 Prozent. Im Jahr 2019 (das ist die aktuellste Zahl) waren es bereits 38,3 Prozent. Besonders hoch ist der Wert in Wien. Mehr als die Hälfte der Kinder wechseln ins Gymnasium (54,6 Prozent).

Diese frühe Schulwahlentscheidung beschäftigt die österreichische Bildungspolitik bereits seit Jahrzehnten. Es war ein ständiges Streitthema in der rot-schwarzen Koalition. Die Einführung der Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen, durch die eine frühe Trennung der Kinder in unterschiedliche Schultypen obsolet geworden wäre, ist den roten Bildungsministerinnen nicht gelungen. In den vergangenen Jahren ist das Reizwort Gesamtschule aus der politischen Diskussion nahezu verschwunden. Im türkis-grünen Regierungsprogramm kommt es nicht vor. Die Frage, inwieweit die soziale Herkunft die Schullaufbahn beeinflusst oder bestimmt, blieb aber.

Herkunft prägt die Leistung

Die Zusammensetzung der Schülerschaft in Gymnasien und Mittelschulen könnte tatsächlich nicht unterschiedlicher sein. In der AHS-Unterstufe beträgt der Anteil der Akademikerkinder 50 Prozent. Nur drei Prozent stammen aus Familien, in denen die Eltern maximal über einen Pflichtschulabschluss verfügen. In den Mittelschulen beträgt der Anteil der Akademikerkinder 15 Prozent.

Doch woran liegt die ungleiche Verteilung genau? Auf diese Frage gibt der nationale Bildungsbericht Antwort, der am Donnerstag dem Parlament vorgelegt wurde. Auf 532 Seiten wird das heimische Schulsystem analysiert. Ein Unterkapitel ist den Schulwegsentscheidungen gewidmet. Sie hängen stark vom Bildungshintergrund der Eltern, der sozialen Herkunft und dem Urbanisierunsgrad (also dem Vorhandensein einer AHS in der Wohngegend) ab.

Die Experten unterschieden dabei aber primäre und sekundäre Beeinflussungs- und Ungleichheitseffekte. Kinder aus schwächeren sozialen und bildungsferneren Schichten erbringen statistisch gesehen schlechtere Leistungen. Daher schaffen sie es seltener in eine AHS-Unterstufe (primäre Effekte). Aber auch bei gleicher Kompetenz gehen Kinder aus höheren sozialen Schichten wesentlich häufiger in eine AHS als Kinder unterer Schichten (sekundäre Effekte).

Nur ein Drittel durch Leistung erklärbar

Besonders genau sieht man das beim Vergleich der AHS-Übertrittsquoten nach Mathematikkompetenz (siehe Grafik). Kinder, deren Eltern einen niedrigeren Bildungsabschluss haben, erreichten bei den Bildungsstandard-Erhebungen auch weniger Punkte und wechselten daher seltener in die AHS (primärer Effekt). Vergleicht man aber die Kinder, die trotz unterschiedlicher Herkunft gleich hohe Mathematikleistungen erzielten, miteinander, dann zeigt sich, dass sie eine sehr unterschiedliche Schulwahl treffen.

Akademikerkinder, deren Leistung nahe am Österreich-Schnitt von 551 Punkten liegt, treten zu 62 Prozent in eine AHS über. Das ist mehr als doppelt so häufig wie Kinder, deren Eltern maximal eine Pflichtschule (24 Prozent) oder eine Berufsausbildung (25 Prozent) abgeschlossen haben.

So sind die sozialen Ungleichheiten bei der Schulwahlentscheidung nur zu etwa einem Drittel durch Leistungsunterschiede zu erklären, zu zwei Dritteln aber durch die leistungsunabhängigen Effekte.

AUF EINEN BLICK

Nach der Volksschule wechseln österreichweit 38,3 Prozent der Kinder in eine AHS-Unterstufe. Die Quoten sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Wien ist der Wert am höchsten (54,6 Prozent), in Vorarlberg am niedrigsten (25,7 Prozent).

Nach der AHS-Unterstufe setzen 95 Prozent ihren Schulbesuch in einer maturaführenden Schule fort. Von einer Mittelschule treten deutlich weniger Schüler in eine höhere Schule über. Neun Prozent wechselten in eine AHS-Oberstufe, 35 Prozent in eine berufsbildende höhere Schule.