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Mein Montag

Im neuen Jahr beginnt das Schlamassel von vorn

Frohes neues Jahr? Das wird sich erst herausstellen.
Frohes neues Jahr? Das wird sich erst herausstellen.(c) imago images/Cavan Images (Cavan Images via www.imago-images.de)
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Was ein Glücksstern und eine Verneinung über unseren Umgang mit dem Coronavirus verraten.

Sehr geehrtes Coronavirus, möchte man einen Brief an den Plagegeist der vergangenen zwei Jahre gern beginnen. Doch dann hält man inne, denn Hochachtung oder Wertschätzung dem Virus gegenüber will man in der Anrede dann doch nicht durchklingen lassen. Liebes Virus? Na ja, man kennt einander mittlerweile, aber so amikal ist das Verhältnis dann doch wieder nicht. Hallo Virus? Servus? Nein, so wirklich zündet auch das nicht. Also lässt man den Brief, in dem man dem Virus so richtig die Meinung sagen will, einfach bleiben. Wäre am Ende auch schwierig geworden – mit freundlichen Grüßen oder auf Wiedersehen will man das Schriftstück schließlich auch nicht enden lassen.

Es ist ein Schlamassel, in dem man steckt – aber nicht zuletzt hat uns genau das Virus auch in ein Schlamassel hineingeritten. Apropos, wissen Sie eigentlich, was dieses Wort bedeutet? Klar, eine missliche, verworrene Lage, eine unangenehme Situation. Aber etymologisch steckt dahinter ja auch etwas. Und nein, mit Schlamm, in dem man steckt, hat es nichts zu tun. Vielmehr verbirgt sich dahinter der jiddische Begriff Massel, den man in Österreich auch als Masel kennt, als (auch: unverdientes) Glück. Dem liegt das hebräische mazzal zugrunde – ein Glücksstern. Vor ihn wurde wohl die Verneinungspartikel schello gestellt, Schlimasl bedeutete im Jiddischen also so viel wie „was nicht Glück ist“. Über das Rotwelsche kam der Begriff auch ins Deutsche und verbreitete sich über die Umgangssprache als Schlamassel ziemlich rasant weiter. Und Sie werden es nicht glauben, auch ein weiterer Begriff aus unserer Alltagssprache geht auf diese Wurzeln zurück – gerade in den vergangenen Monaten hat man ihn im Umgang mit dem Coronavirus recht häufig gehört. Und, schon eine Idee? Tja. Dann hoffen wir, dass wir im neuen Jahr nicht wieder so viel vermasseln.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2022)