Bär, Wolf, Krebs oder: Warum Bundeskanzler und ORF-Chefs mehr miteinander teilen, als man denkt.
Während man diese Woche dem doch etwas skurrilen Westentaschen-Titanenkampf am Küniglberg Beachtung geschenkt hat, bei dem der ORF-General den Info-Chef vor die Tür gesetzt hat, ist eines schon längst in Vergessenheit geraten: dass der in zig ORF-Jahren zum Problembären mutierte Vorarlberger in den Neunzehnneunzigern einmal als unbestechlicher Vertreter eines kritischen Politjournalismus im Fernsehen gegolten hat, wie außer ihm nur Robert Hochner und derzeit Armin Wolf.
Der Abgang von den runden Tischen, an denen der Vorarlberger die Spitzenpolitiker aller Parteien anzublaffen pflegte, hin zu den eckigen Trögen des ORF-Sports, war damals als eine Art Strafversetzung wegen Unbotmäßigkeit gegenüber den Mächtigen interpretiert worden. Allerdings nur so lange, bis man den neuen Sport-Chef einmal im Zieleinlauf der Streif im trauten Kreise jener gesehen hat, die er vormals so betont kritisch befragt hatte.
Wenn man ORF-General und Bundeskanzler als typisch für ihre jeweilige Zeit betrachtet, lohnt es sich übrigens, Werner Faymann/Alexander Wrabetz, Wolfgang Schüssel/Monika Lindner und Viktor Klima (bzw. Franz Vranitzky) und Gerhard Zeiler gedanklich nebeneinanderzustellen. Da zeigt sich recht deutlich: Kanzler und ORF-Chef hängen auch phänotypisch zusammen.
Aus China erreicht uns wieder einmal die Nachricht, dass ein prominenter Regimekritiker unter Hausarrest gestellt worden ist (was sich besonders eigenartig anhört, wenn hierzulande der bekannteste U-Häftling verzweifelt versucht, endlich in Penthouse-Hausarrest zu gelangen). Dem Aktionskünstler Ai Weiwei (Scherze mit Namen gehören sich für eine Qualitätszeitung ja leider nicht) wurde die Ankündigung übel genommen, bei einer Party tausende Flusskrebse servieren zu wollen. Der chinesische Name für die Schalentiere ähnelt nämlich dem Begriff für Zensur, was das Regime in Peking gar nicht goutiert.
Der ehemalige deutsche Tennisspieler Boris Becker streitet mit jenem Pfarrer vor einem Schweizer Gericht, der ihn im Sommer 2009 in St. Moritz mit seiner Frau Lilly getraut hat. Der Pfarrer habe statt des vereinbarten Honorars von 1500 ganze 7000 Euro verlangt, worauf Becker sich geweigert hat, den Geistlichen zu bezahlen. Ehen von Stars kommen eben fast immer teurer, als diese denken.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2010)