Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Humboldt Forum before the opening
Premium
Architektur/Politik/Religion

Jesu Herrschaft auf dem Berliner Schloss

Die biblische Inschrift auf der Kuppel des Berliner Schlosses wird nun von Leuchtschriften überstrahlt – und ist weiter umstritten. Legitimiert sie den Kolonialismus? Oder enthält sie ein antitotalitäres Bekenntnis? Die Debatte tobt.

„Ich fühle mich ganz und gar von Gottes Gnaden“, sagte Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861), König von Preußen, und nannte sich den „Diener eines göttlichen Erlösungswerkes“. Es ist kaum möglich, bei diesem Herrscher Religiosität und Machtanspruch zu trennen. Sie waren eins für ihn. Den „Hass gegen alles Moderne, Liberale, Demokratische“, den ihm Golo Mann attestierte, schmückte er gern theologisch. Und schreckte dabei auch nicht zurück, Bibelstellen zusammenzulegen, wenn es ihm gefiel.

So gefiel es ihm, die in den Jahren 1845 bis 1853 nach seinem eigenen (!), wiewohl von Schinkel bearbeiteten Entwurf erbaute Kuppel des Berliner Schlosses mit einem preußischblauen Schriftband zu zieren, auf dem stand: „Es ist in keinem anderen Heil, es ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn der Name Jesu, zu Ehren des Vaters, dass im Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erden sind.“ Die Kombination aus zwei Stellen (Apostelgeschichte 4,12; Philipperbrief 2,10) klingt ungeschickt, der Anspruch scheint so klar wie absolut. Toleranz oder gar Multikulturalismus kann man daraus kaum lesen.