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Stereotype

Ukrainischer Minister bezeichnet „Emily in Paris“-Figur als „beleidigend“

Die Darstellung von Petra als klauende Immigrantin, die Angst vor der Abschiebung hat, sei eine "Karikatur einer ukrainischen Frau".
Die Darstellung von Petra als klauende Immigrantin, die Angst vor der Abschiebung hat, sei eine "Karikatur einer ukrainischen Frau".STEPHANIE BRANCHU/NETFLIX (STÉPHANIE BRANCHU/NETFLIX)
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Oleksandr Tkachenko, Kulturminister der Ukraine, hat sich bei Netflix über die „beleidigende Karikatur einer ukrainischen Frau“ in der viel umstrittenen Erfolgsserie „Emily in Paris“ beschwert.

Dass die Netflix-Serie „Emily in Paris“ sich nur zu gerne an Klischees bedient, ist seit der ersten Folge eingängig. Französinnen und Franzosen zeichnen sich darin etwa durch ihren feinen Stil, Baskenmützen inklusive, ihren Hang zum Rauchen und die Treulosigkeit in puncto Beziehung aus. In Frankreich werde außerdem nicht vor zehn Uhr Vormittags und schon gar nicht am Wochenende gearbeitet. Der Engländer, den die Protagonistin Emily in Staffel zwei kennenlernt, geht in Pubs und schaut gerne Fußball. Der ukrainische Kulturminister Oleksandr Tkachenko hat sich bei Netflix über jenes stereotypes Bild beschwert, das von seinen Landsleuten gezeichnet wird.

Via Messengerdienst Telegram schrieb er: „Wir haben ein Karikaturbild einer ukrainischen Frau, das inakzeptabel ist. Es ist auch eine Beleidigung. Werden die Ukrainer im Ausland so gesehen?“ Ukrainischen Medien zufolge habe er sich folglich mittels Brief an den Streaming-Riesen über die Darstellung von Petra, gespielt von der Schauspielerin Daria Panchenko, beschwert. Petra verkörpert eine Frau aus Kiew mit offensichtlich geringem Sinn für Mode - wobei sich hier auch bei Emily die Geister scheiden - die Angst davor hat, abgeschoben zu werden. Bei einem Einkaufsbummel mit Emily, der für Petra quasi der einzig große Auftritt innerhalb der Serie ist, lässt sie gewissenlos Luxusartikel mitgehen.

„Diverser und vielfältiger“ 

Schon nach Erscheinen der ersten Staffel wurde die Serie für ihr maßloses Bedienen an Klischees gerügt. Der Guardian bezeichnete die Serie damals als „erstaunlich tonlos“ und fügte hinzu: „Nennen Sie ein Klischee, und innerhalb der ersten drei Episoden ist Emily nicht nur darauf gestoßen, sondern hat auch versucht, es zu korrigieren, es an die amerikanische Art anzupassen.“ Ein französischer Kritiker schrieb nach der Premiere: „Wenn man Emily in Paris sieht, gibt es viel, wovon man sich beleidigt fühlen kann. Beim Karikieren, haben sich die Autoren und Autorinnen nicht zurückgehalten. Kein Klischee bleibt verschont, nicht einmal das schwächste.“ 

Lilly Collins, die Schauspielerin von Emily und Co-Produzenten der Serie, reagierte mit einem Statement gegenüber der britischen Elle. Sie wolle wahrgenommene Fehler in der zweiten Staffel korrigieren und folglich „diverser und vielfältiger“ werden. Auf Inklusion lege sie großen Wert, hieß es damals. Glaubt man den Kritiken, wurde am Ziel vorbeigeschossen. So weit, dass sich sogar ein Kulturminister öffentlich zu Wort meldet. Als Langfinger mit schlechtem Stil will letztlich niemand gelten.

(evdin)