Let's make money: Geldschwemme

(c) EPA (Matthew Cavanaugh)

Wie die Notenbanken eine neue Aktienblase aufpumpen, und wie Anleger von der Geldschwemme profitieren.

 

Die US-Notenbank Fed hat erwartungsgemäß die Notenpresse wieder angeworfen, und die Märkte haben ebenso erwartungsgemäß reagiert: Aktien und Gold rauf, Dollar runter. Das ist ein Bild, auf das wir uns zumindest in nächster Zeit einstellen müssen. Denn die 600 Mrd. Dollar, die die Fed jetzt in den Ankauf von US-Staatsanleihen investiert, sind keineswegs das Ende der Fahnenstange. Beobachter gehen unterdessen davon aus, dass das nur die erste Etappe sein dürfte, und dass insgesamt bis zu 2000 Mrd. angekauft werden könnten.

Eine ungeheure Flutung des Marktes, mit der die Fed zwar jetzt möglicherweise eine Deflation in den USA verhindert, mittelfristig aber wohl eine saftige Dollar-Inflation produzieren wird. Wenn die Maßnahme überhaupt wirkt: Experten hegen da ihre Zweifel.

Was das für die Märkte heißt, hat man in der vergangenen Woche live ansehen können: eine breit angelegte Flucht aus dem weich geklopften Dollar in Rohstoffe und Aktien. Diese Situation wird uns jetzt ein bisschen begleiten: Der Euro könnte relativ flott von derzeit etwas über 1,40 in die Gegend von 1,45 Dollar marschieren. Gold hat ebenfalls ein wenig Potenzial, was aber Anlegern hierzulande herzlich wenig hilft, weil das Edelmetall ja in Dollar gehandelt wird und damit – wie schon seit Monaten – jeder Gewinn beim Goldpreis gleich wieder vom erstarkenden Euro weggefressen wird.

Große Gewinner sind kurzfristig die Aktienmärkte. Aber auch hier muss man langsam beginnen aufzupassen. Die kräftige Kurserholung seit dem Tiefpunkt der Krise hat nämlich so gut wie keine Entsprechung in der wirtschaftlichen Realität. Die Kurse sind der immer noch nicht selbsttragenden Konjunktur auch in Europa auf und davon gelaufen, von Amerika wollen wir erst gar nicht reden. Fed und (in weitaus geringerem Ausmaß) EZB pumpen gerade wieder die schönste Aktienblase auf. Das wird noch eine Weile gut gehen, aber man sollte den Fallschirm vorsichtshalber immer griffbereit haben.

Auf Sicht von ein paar Monaten sind Aktien aber ein gutes Investment. Vor allem europäische, denn für die US-Werte gilt dasselbe wie für Gold. Der starke Euro frisst Kursgewinne hierzulande gleich wieder auf.

Konzentrieren wir uns heute also auf deutsche Aktien: Dem DAX geben Analysten heuer durchaus noch Chancen, die 7000-Punkte-Marke zu knacken, das Potenzial für einzelne Werte ist aber naturgemäß deutlich höher als diese fünf Prozent für den Gesamtmarkt.

Beispielsweise der Chemiewert BASF(ISIN DE000BASF111). Der ist charttechnisch gerade aus seinem diesjährigen Seitwärtskanal nach oben ausgebrochen und geht rasant auf die 60-Euro-Marke zu, die er bald knacken dürfte. Da ist kurzfristig einiges drin.

Flott unterwegs ist aber auch die Aktie des Autobauers BMW(ISIN DE0005190003). Die hat von Goldman Sachs soeben eine Kurszielanhebung auf 80 Euro verpasst bekommen. Nicht zu Unrecht, denn der Autoproduzent sieht nicht nur charttechnisch gut aus, sondern ist auch fundamental hervorragend aufgestellt. 80 Euro wäre vom derzeitigen Stand aus ein Kurspotenzial von rund 40 Prozent. Das ist ambitioniert, aber nicht unmöglich.

Begeistert zeigen sich Analysten auch vom TecDax-Wert Pfeiffer Vacuum(ISIN DE0006916604): Eine Reihe von ihnen hat zuletzt die Kursziele erhöht, die jetzt bis 100 Euro (rund 25Prozent über dem derzeitigen Wert) reichen. Und das, obwohl das Papier schon in den vergangenen Tagen sehr stark gestiegen ist.

Vorsicht ist dagegen bei den deutschen Versorgern E.ON(ISIN DE000ENAG999) und RWE(ISIN DE0007037129) angesagt: Die sehen derzeit verdammt nach Verkauf bzw. Shorten aus.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2010)