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Brüssel-Briefing

Französisches Kollateralrisiko für Europa

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Alles oder nichts: Emmanuel Macron hat seine Präsidentschaft an die Erneuerung der EU geknüpft.AFP/POOL/JOHN THYS
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Emmanuel Macron muss alles seinem Streben nach der Wiederwahl unterordnen - auch den französischen EU-Ratsvorsitz. Glückt ihm das, könnte es der Union neuen Antrieb geben. Doch scheitert Macron, droht der EU eine fundamentale Krise.

Wenn Sie diese Zeilen lesen, sitze ich vermutlich im Thalys 9304 von Brüssel nach Paris (Abfahrt 7:13 Uhr), oder bereits im Konferenzzentrum des französischen Außenministeriums am Quai d'Orsay. Jedes Land, das die rotierende EU-Ratspräsidentschaft innehat, lädt nämlich rund vier Dutzend Brüssel-Korrespondenten zu Beginn der sechsmonatigen Vorsitzperiode für zwei bis drei Tage ein, um seine Vorhaben zu präsentieren. Von Polen über Dänemark und Zypern bis Slowenien habe ich bisher ein halbes Dutzend Mal daran teilgenommen, und es war jedes Mal ebenso arbeitsreich wie inhaltlich wertvoll: man bekommt nicht nur die wichtigsten Minister zum Gespräch (vor allem jene für Finanzen, Inneres, Äußeres, Europafragen), sondern vor allem ist das eine exzellente Gelegenheit, ihre Mitarbeiterstäbe kennenzulernen, was bei künftigen Recherchen äußerst nützlich ist. Und als Kirsche auf der Torte nimmt sich der jeweilige Staats- oder Regierungschef eine Stunde für uns Korrespondenten frei. Beim slowenischen Premierminister Janez Janša waren es vorigen Juli sogar gut zwei Stunden, in denen er uns tiefer in seine Seele blicken ließ, womit er sich selbst vermutlich weniger einen Gefallen getan hat als uns.

Dieses Mal allerdings fallen wir um dieses Treffen mit dem Chef um. Denn Emmanuel Macron hat keine Zeit, die Brüsseler Ausflügler zu treffen. Meine Kollegin von der „New York Times“ simste mir zwar am Mittwoch leicht verschnupft, sie erwäge angesichts dessen, nicht mitzufahren. Man muss Macron aber verstehen, weil: wir sind nicht sein Zielpublikum. Und das könnte zum Problem für die gesamte Union werden.