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Geldpolitik

Steigen US-Zinsen noch schneller?

US-Notenbankchef Jerome Powell sorgt sich zusehends um die Inflation.
US-Notenbankchef Jerome Powell sorgt sich zusehends um die Inflation.REUTERS
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Jüngste Pläne der US-Notenbank Fed verschrecken die Anleger. Die Währungshüter deuten eine raschere Erhöhung der Zinsen an. Schwellenländer und Bitcoin verlieren stark.

Washington. Die US-Notenbank denkt angesichts des Inflationsschubs über eine womöglich raschere Anhebung der Zinsen nach. Wie aus den Protokollen der jüngsten Fed-Sitzung im Dezember hervorgeht, merkten Notenbank-Mitglieder an, dass es womöglich gerechtfertigt sei, die Zinsen früher oder in einem schnelleren Tempo, als bislang erwartet, anzuheben. Aus Sicht mancher Teilnehmer könnte es zudem sinnvoll sein, mit der Verkleinerung der Notenbankbilanz relativ bald nach dem Start von Zinserhöhungen zu beginnen. Durch die umfangreichen Anleihekäufe war die Fed-Bilanz zuletzt auf rund 8,8 Billionen Dollar angeschwollen.

Die Protokolle belasteten die Aktienmärkte. In den USA, Asien und in Europa waren Anleger aufgrund der Aussicht auf schneller steigende Zinsen auf der Flucht aus riskanteren Werten. Während der Kurs des US-Dollar stieg, kamen vor allem die Schwellenländer unter Druck. Auch Bitcoin fiel am Donnerstag in der Spitze um 2,7 Prozent auf 42.413 Dollar, den niedrigsten Stand seit knapp fünf Wochen. „Die Zinsangst ist zurück“, kommentierte ein Händler die Stimmung unter den Anlegern.

Inzwischen taxiert das Fed-Watch-Tool des Börsenbetreibers CME die Wahrscheinlichkeit auf über 70 Prozent, dass die Fed bereits im März damit beginnt, die Leitzinsen anzuheben.

 

Die Fed zieht die Zügel an

Bei ihrer Sitzung am 14. und 15. Dezember hatten die Dollar-Wächter angesichts der hochschießenden Inflation eine zügige Abkehr vom Krisenmodus beschlossen. Zugleich signalisierten sie für 2022 im Mittel drei Zinsschritte nach oben. Damit könnte der geldpolitische Schlüsselsatz dann am Ende des laufenden Jahres in einer Spanne von 0,75 bis 1,0 Prozent liegen. Aktuell liegt er in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Beim Zurückfahren ihrer Wertpapierkäufe zur Stützung der Konjunktur will die Fed zudem aufs Tempo drücken – ab Mitte Januar soll die Abbaugeschwindigkeit auf 30 Milliarden Dollar monatlich verdoppelt werden.

Der Ton der Protokolle lege nahe, dass die Notenbank mit der Straffung ihrer Geldpolitik schneller beginnen und diesen Kurs womöglich noch verstärken werde, kommentierte Kim Rupert, Analystin von Action Economics die Protokolle. „Sie sind sehr besorgt, dass ihnen die Inflation außer Kontrolle gerät.“ Zudem sei auf dem Treffen die Notenbank-Bilanz detaillierter diskutiert worden, als sie es erwartet habe. Damit werde der Markt auf womöglich vier Zinsschritte in diesem Jahr eingestimmt. Ähnlich äußerte sich Dave Donabedian, Chef-Investmentstratege von CIBC Private Wealth. Die Fed-Protokolle hätten klar gemacht, dass 2022 mehr als drei Zinserhöhungen und eine Verkleinerung der Bilanz auf dem Tisch lägen, kommentierte er. David Carter, Chef-Investmentstratege bei Lenox Wealth Advisors erklärte: „Anzeichen dafür, dass die Fed sehr besorgt ist angesichts der Inflation könnten schnell zur Sicht führen, dass die Fed 2022 aggressiv die Zügel anziehen wird.“

 

Inflation auf 40-Jahreshoch

Die Teuerungsrate war in den USA im November auf 6,8 Prozent geklettert. Das ist der höchste Wert seit Juni 1982. Aus der Pandemiekrise resultierende Lieferprobleme, Materialengpässe und geradezu explodierende Energiekosten trieben die Inflation nach oben. Die Notenbank Fed achtet bei der Inflationsentwicklung besonders auf die persönlichen Ausgaben der Verbraucher. Dabei bleiben Nahrungsmittel- und Energiekosten unberücksichtigt. Diese Jahresteuerungsrate lag im November bei 4,7 Prozent. Die Fed peilt ein Ziel von zwei Prozent an. (ag)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.01.2022)