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„Sollten die Terroristen vorhaben, die moderne Welt zu vernichten, könnte er ihnen das nicht einmal wirklich zum Vorwurf machen“, denkt sich der Protagonist im neuen Houellebecq- Roman.
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Buch der Woche

Houellebecq: Terror und Sex im Wald

Ein Staatsdiener als Held und Sympathien für eine „Hexen-Religion“: Ungewohnte Töne in Michel Houellebecqs Roman „Vernichten“. Er bringt Liebesfrühling in eine von Hackern bedrohte Welt.

Bruno Juge, Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister, steht gefesselt in schwarzem Gewand mit Kapuze über dem Kopf in einem Garten. Dann wird er zu einem Grashügel gezerrt, auf dem sich eine Guillotine erhebt. Sein Kopf wird in der Lünette platziert, das Fallbeil fällt.

Als dieses Video sich Ende 2026 im Internet verbreitet, lebt Bruno Juge, und er bleibt auch am Leben, ist sogar eine der wichtigsten Figuren in Michel Houellebecqs neuem Roman. Die Scheinhinrichtung des Politikers, der auch im anstehenden Präsidentschaftswahlkampf eine wesentliche Rolle spielen wird, beunruhigt Frankreichs Geheimdienst dennoch enorm. Videos mit diesmal echten Anschlägen auf ein chinesisches Containerschiff und eine dänische Firma, die mit Spermien handelt, folgen. Die Attentäter haben offenbar atemberaubendes (informations)technisches Know-how, ihre Motive sind rätselhaft. Modernen Fortpflanzungstechnologien scheinen sie ebenso den Krieg erklärt zu haben wie dem Welthandel.

Houellebecq hat immer schon mit Bedürfnissen der Leserschaft und Erwartungen des Marktes sein ganz eigenes Spiel gespielt. Fast wie ein durchschnittlicher Thriller liest sich der Beginn des Romans „Vernichten“ („Anéantir“), der in Frankreich am 7. Jänner erschienen ist und am 11. auf Deutsch herauskommt. Dann aber, als wäre es dem Autor plötzlich zu dumm geworden, sein Publikum auf so durchsichtige Art zu ködern, lässt er den Terror-Handlungsfaden liegen wie ein langweilig gewordenes Spielzeug, um sich für Hunderte Seiten dem Privatleben seines Protagonisten zuzuwenden.