Der lange Weg zum nächsten Präsidenten

Wahlen. Mitte 2011 soll die neue Muslimführung stehen.

Der 21. November markiert für die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) den Beginn einer neuen Ära. An diesem Sonntag findet in der Religionsgemeinde Klagenfurt die erste Wahl nach neuem Wahlmodus statt. Von 9 bis 17 Uhr können die – für die Wahl registrierten – Kärntner Muslime ihre Gemeindeversammlung bestimmen. Diese Wahl ist der Beginn eines langwierigen Wahlverfahrens, dessen Endergebnis in Form eines neuen Präsidenten der Glaubensgemeinschaft erst Mitte 2011 feststehen wird.

Im November und Dezember wählen die anderen Bundesländer ebenfalls ihre Gemeindedelegierten, Wiens Muslime treten erst am 17. April an die Urnen. Der Grund dafür ist einfach: In Wien lebt die überwiegende Mehrzahl der Muslime. Fehler und Pannen würden sich hier doppelt schwer auswirken. Also sind die Wahlen in den Bundesländern auch eine Art Testlauf, bei dem das Verfahren ohne gröbere Konsequenzen geprüft werden kann.

Mehr noch – in Wien startet auch die Registrierung der aktiv und passiv Wahlberechtigten erst Anfang Jänner und läuft bis Ende Februar. Genug Zeit, so die Hoffnung der IGGiÖ, um bis dahin möglichst viele Mitglieder für die Wahl zu begeistern.


Mehrstufiges Verfahren

Hat jedes Bundesland seine Vertreter gewählt, bestimmen die jeweiligen Versammlungen einen Ausschuss mit jeweils elf Mitgliedern, von denen die vier Erstgereihten in den Schurarat entsandt werden. So werden 36 Mitglieder des legislativen Organs der IGGiÖ bestimmt. Weitere 25 Funktionäre werden von den Gemeinden gemäß ihrer Größe entsandt.

Die 61 Mitglieder des Schurarats wählen schließlich den Obersten Rat, das exekutive Organ, und mit ihm den neuen Präsidenten. Wer die Nachfolge des amtsmüden Anas Schakfeh antreten wird, lässt sich allerdings nur schwer abschätzen. Da die großen türkischen Verbände wie Atib und die Islamische Föderation an den Wahlen teilnehmen, gilt aber ein Präsident aus der türkischen Community als sehr wahrscheinlich. eko

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2010)