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Kritik

"La Bohème" an der Staatsoper: Der Poet leidet mit Schmelz und Noblesse

Puccinis „La Bohème“ mit Benjamin Bernheim als umjubeltem Rodolfo – noch zweimal im Jänner.

Mit einem sanften „Scusi!“ klopft die noch unbekannte Nachbarin an die Tür: „Una donna“, stellt Rodolfo fest, zunächst allenfalls milde überrascht. Wenn Benjamin Bernheim als mittelloser Dichter in der kalten Pariser Mansarde nach Inspiration für seinen Leitartikel sucht und dann stattdessen Liebe findet, dann ist er dabei alles andere als ein stets lauernder Don Giovanni, der beim geringsten Damenduft gleich auf Temperaturen käme – und auf amouröse Winkelzüge. Erst von Angesicht zu Angesicht mit Mimì verwandelt sich sein erstes bloßes Aha plötzlich in ein sichtbares Oho.

Und trotzdem bleibt auch beim subtilen Versteckspiel mit Mimìs bald im Dunkel entglittenen Schlüssel eine gewisse Schüchternheit spürbar. Diesmal geht's also im besten Sinne naiv zu beim Kennenlernen des tragischen Liebespaares in „La Bohème“. Franco Zeffirellis pittoreske, theaterpralle Tableaux von 1963 wecken längst eine wohlige Nostalgie – ganz so, als blätterte man in einem wieder gefundenen, geliebten Bilderbuch aus der Kindheit.