Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Staatsverschuldung

Zinsen für österreichische Staatsanleihen gestiegen

Erhöhte Inflationssorgen und nahende Zinserhöhung in den USA treiben Renditen auch in Europa nach oben.

Die Republik Österreich hat sich am Dienstag, zum ersten Mal im neuen Jahr, wieder frisches Kapital am Markt geholt. Für knapp 1,5 Milliarden Euro wurden zwei Bundesanleihen aufgestockt. Die Konditionen haben sich im neuen Jahr jedoch etwas verschlechtert. Der gestiegene Inflationsdruck und die Aussicht auf eine baldige Zinserhöhung in den USA haben die Anleihenzinsen seit Jahresstart deutlich nach oben getrieben.

"Wir haben doch einen deutlichen Aufwärtstrend bei den Zinsen gesehen seit Jahresstart", sagte Markus Stix, Chef der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA). Die Zinsen für zehnjährige Papiere seien um rund 0,3 Prozent gestiegen und befänden sich derzeit auf dem höchsten Niveau seit März 2020, also seit Beginn der Pandemie. Auch deutsche 10-jährige Papiere befänden sich derzeit nur noch knapp im negativen Renditebereich.

Der Grund sei vor allem "weil sich der Euroraum nicht von Amerika entkoppeln kann", so Stix. Der Zinsanstieg sei also kein Österreich-Spezifikum, sondern eine generelle Veränderung der Marktbedingungen.

In den USA rückt im Zuge der hohen Inflation die nächste Zinserhöhung immer näher. Von US-Notenbankern wurde bereits die Sitzung im März als möglicher Termin für die erste von den heuer drei geplanten Zinsschritten der US-Notenbank Fed ins Gespräch gebracht. Aus den jüngsten Sitzungsprotokollen der Fed geht zudem hervor, dass derzeit mit einem hartnäckigeren Inflationsdruck gerechnet wird als zuvor.

Auch in Europa könnte der Handlungsdruck auf die Europäische Zentralbank (EZB) weiter zunehmen. Am Markt gebe es bereits erste Spekulationen über eine Zinserhöhung im November diesen Jahres, so Stix. Allerdings seien diese Erwartungen nur Momentaufnahmen, die sich auch wieder ändern könnten.

Solide Nachfrage

Die aktuelle Anleihenauktion reflektierte jedenfalls die geänderten Gegebenheiten. Das zehnjährige Papier erzielte eine Emissionsrendite von 0,143 Prozent, das war die höchste Begebungsrendite einer zehnjährigen Anleihe seit Mai 2019. Die Nachfrage sei mit einer Bid-Cover-Ratio von 2,08 aber gut gewesen, sagte der OebFA-Chef. Die 30-jährige Anleihe war indessen 2,12-fach überzeichnet und erzielte eine Emissionsrendite von 0,698 Prozent.

Grundsätzlich sei die Nachfrage nach heimischen Anleihen weiterhin solide, sie spiegle aber auch die Inflationssorgen wider, so Stix. Derzeit seien am Markt eher Papiere bis zu einer Laufzeit von 15 Jahren gefragt, längere Laufzeiten seien dagegen weniger attraktiv. Das liege vor allem daran, dass sich die Investoren noch kein klares Bild gemacht hätten, wo sich das Zinsniveau in Zukunft hinbewegen werde.

Dass die Renditen in den kommenden Wochen weiter so stark zulegen wie seit Jahresstart, glaubt Stix eher nicht. "Wir gehen davon aus, dass der Deckel vorerst erreicht ist und eine kleine Gegenbewegung einsetzen sollte." Auf das niedrige Niveau von vor Weihnachten dürften die Zinsen aber nicht mehr zurückkehren.

(APA)