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Musikverin

So hält Buchbinder Wiener Schmäh auf Distanz

Musikalische Lokalpatrioten feierten im Goldenen Saal den halbrunden Geburtstag des Pianisten, der sich selbst zum Jubiläum Musik von Brahms, Schubert und Beethoven schenkte.

Unser Rudolf Buchbinder – kaum war das Konzert angekündigt, war es auch schon ausverkauft. Was in düsteren Zeiten wie diesen hieß: nur eintausend Zuhörer im Goldenen Saal. Es galt ja auch, einen markanten, unrunden Geburtstag der Ikone der Wiener Pianistik gebührend nachzufeiern – das ist einfach ein gesellschaftlicher Höhepunkt.

Allemal frivol der Einstieg mit Brahms' „Vier Klavierstücken“, op. 119. Intimere, persönlichere Abschiedsstücke gibt es kaum. Da spürt ein reifer Mann, wie dünn die Luft bereits geworden ist, und dennoch ist dabei nichts Weinerliches oder übertrieben Elegisches. Da handelt es sich um einzigartige, fast schüchterne Edelsteine übers Farewell-Sagen. Bei Buchbinder tröpfelt dasgemächlich dahin ohne zu berühren. Alles zerfließt wie rinnende Wasserfarben und gerät dennoch nicht verdächtig in die Nähe von Chopins „Regentropfen“-Prélude. Zum Glück ist für das Pianoforte das Pedal längst erfunden, mit dessen inflationärem Gebrauch der späte Brahms nun in klebrige Nebelschwaden getaucht werden kann.