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Anselm Kiefer in Paris

Der deutsche Staatskünstler Frankreichs

Einblick in Kiefers Installation "Pour Paul Celan" im Grand Palais Éphémère.(c) Georges Poncet
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Anselm Kiefers Kunst garantiert Bedeutung: Mit der Celan'schen Ikonografie bedient und thematisiert er unser schwieriges Verhältnis zu Pathos.

Die Augen mussten sich erst gewöhnen, betrat man den riesigen Raum, 10.000 Quadratmeter, schwarzer Industrieboden, mehr Hangar als Halle. Mehr Türme als Bilder die Objekte, die im Dämmerlicht erschienen. Nicht nur überlebensgroß, überkunstgroß, bis zu 13 Meter hoch, schwer wiegend vor Material und Symbolik. Und in ihrem Rücken schimmerte der Fuß des Eiffelturms durch die Glasfront. Pathos unverstellt. Unglaublich, was sich rund um den Jahreswechsel in Paris um den deutschen Künstler Anselm Kiefer abgespielt hat: eine megalomane, nur vier Wochen dauernde Ausstellungsinszenierung im gesamten Grand Palais Éphémère, dem renovierungsbedingten Ausweichquartier des Pariser Veranstaltungszentrums am Marsfeld.

Das Ganze als Geste der deutsch-französischen Freundschaft zu Beginn der französischen EU-Präsidentschaft zu deuten ist legitim, folgte die Schau einem Wunsch von Emmanuel Macron, bekennender Bewunderer Kiefers. 2020 hat der Präsident ihn schon mit dem gewichtigsten Auftrag überhaupt betraut: Seither stehen in der französischen Ruhmeshalle Pantheon sechs von Kiefers Vitrinen voll mit seinem gewohnten Gedächtnismaterial, Totenhemden, trockenen (Papier-)Blumen, verbrannter Erde etc. Sie werden dort nicht nur bleiben, sie dominieren an diesem den Franzosen heiligen Ort sogar die künstlerische Ausstattung.