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Glosse

Campingplätze: Urlaub wie Zuhause?

Im Grubhof in St. Martin bei Lofer befindet sich Österreichs beliebtester Campingplatz.
Im Grubhof in St. Martin bei Lofer befindet sich Österreichs beliebtester Campingplatz.beigestellt
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Am Campingplatz ist es fast wie Zuhause: Trügerisches Kleinfamilienidyll, irritierend behagliche Häuslichkeit und neugierige Nachbarn. Doch soll Reisen nicht den Horizont erweitern?

St. Martin bei Lofer, Döbriach in Kärnten, Aschau im Zillertal, Bruck an der Großglocknerstraße - was sich liest wie eine Aufzählung willkürlicher österreichischer Ortsgebiete, die alle aus dem ewig gleichen Ensemble von Lagerhaus, Raiffeisenbank und Dorfkirche bestehen, ist in Wirklichkeit eine Rangliste begehrter Urlaubsdestinationen.

Das Reise- und Buchungsportal camping.info hat im Rahmen des jährlich vergebenen Publikumspreis auch heuer wieder die zehn besten österreichischen Campingplätze prämiert, darunter klingende Reiseziele wie „Camping Murinsel“ in Großlobming in der Steiermark oder „50plus Campingpark Fisching“ in Weisskirchen. Wie könnte man da nicht Fernweh bekommen? 

Dass Österreich nicht nur für Camper aus Deutschland oder den Niederlanden ein attraktives Reiseziel ist, sondern auch österreichische Urlauberinnen und Urlauber ihre Zelte gern in heimischen Gefilden aufbauen, ist kein Geheimnis. Zwischen 2010 und 2019 wurde gar ein Plus von 45 Prozent bei Nächtigungen auf heimischen Campingplätzen verzeichnet. Dahinter steht wohl nicht nur das familienfreundliche und verhältnismäßige kostengünstige Image dieser Art zu urlauben.

Der Campingplatz hat nämlich - neben der zugegeben sehenswerten heimischen Landschaft - einen weiteren großen Vorteil: Es ist dort eigentlich alles wie Zuhause, nur eben ein bisschen geschmackloser. Auf den Tisch kommt, was man von Zuhause kennt, nur eben in der unpraktischen Wohnwagenküche eher behelfsmäßig abgeschmeckt und stilecht auf Plastikgeschirr angerichtet. Neben Urlaubsaktivitäten gibt es wie daheim allerlei Haushaltsarbeit zu erledigen, vom Abwasch des Plastikgeschirrs über das Kehren des Vorzelts bis hin zu allfälligen Reparaturarbeiten, was hätte man auch sonst zu tun. Und wie Zuhause gilt hier, Nachbarn grüßen, kein Lärm nach 22 Uhr und bloß nicht unangenehm auffallen.

Wer von dieser Szenerie des vermeintlich mobilen „Zuhause auf Rädern“ nicht abgeschreckt wurde, dem ist empfohlen, sich einmal im Bereich der Dauerstellplätze auf Campingplätzen umzusehen - dort wird die falsche Idylle der Heimeligkeit mit Gartenzäunen und -zwergen, mit Aufschriften à la „Hier wohnen die Bergers“ sowie Österreichfahnen und Bundesländerschildern (Alles schon gesehen!) auf die Spitze getrieben. Wer sich vom Reisen die viel beschworene Erweiterung von Geist und Horizont erhofft, der ist hier definitiv fehl am Platz.

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